Druckschrift 
1 (1830) Vom Jahre 1191 bis 1640
Entstehung
Seite
269
Einzelbild herunterladen
 

269

Übersicht.

Geistlichen seines Sprcngcls mit großen, Schmerze, sie warenzwar keine Ketzer, aber meistens bekannte Hurer, sodaß ihrLeben nicht nur dem Volke, sondern auch den Großen undFürsten anstößig sei. Diese Ausschweifungen waren so öffentlichund allgemein, daß sie für gar nichts geachtet würden. Sieleugneten cs nicht, wenn ihre Köchinnen und Huren schwan-ger würden, sondern rühmten sich höchlichst Vater zu sein,baten bei der Taufe benachbarte Geistliche und Weltliche zuGevattern und feierten Feste. Waren die Kinder erwachsen,so vcrheirathc ein Priester seinen Sohn mit der Tochter desandern. Vergeblich habe er schon in zwei Synoden öffent-lich ermahnt die Köchinnen zu entlassen ').

Als am Ende des vierzehnten Jahrhunderts in Stettin,wegen Zunahme der Bevölkerung, mit wiederholter päpstlicherErlaubniß eine neue Schule neben der Domschule gegründetwurde, widersctzten sich die Domherren so anhaltend, daß end-lich (1469) die lateinischen und deutschen Stadtschulen gänz-lich aufgehoben wurden. Die Mönche vieler Klöster verstan-den noch am Ende des fünfzehnten Jahrhunderts oft nichtdas Wenige was sic lateinisch sangen und beteten. Da-her auch in den Marken, Pommern und Preusscn der soauffallende Mangel an älteren Geschichtschreibern, sodaß dieeinzelnen Nachrichten über den Zustand der geistigen, sittlichenund wissenschaftlichen Bildung mühsam aus zerstreucten, ein-zelnen Angaben entnommen werden müssen.

Wenn wir so das Mittelalter unserer Länder überblicken,so begreifen wir, wie besonders die Städte, ein Theil desAdels, welcher ansing den Wissenschaften obzuliegen, unddann auch einige Fürsten bei uns auf die Gründung einerKirchenverbesserung wohl mehr oder minder großen Einfluß ha-ben konnten, daß aber weit weniger die Einsicht der unge-

1) GerckenS brandenburgische Stifshistorie S. 228- Wie wenigdieses übertrieben sei, beweist Horm er in seinem Laschenbuche für va-terländische Geschichte. Jahrgang 18Z0. S. ZOO. Hier rühmt sich dernachherige Papst Pius H. gegen einen Cardinal, bereits den viertenSohn gezeugt zu haben, also den Beinamen eines Familienvaters wohlzu verdienen.