Übersicht.
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Jahre hindurch arbeiten, sparen, der leichtesten Bequemlichkei-ten entbehren, und an einem hohen Tage, bei der Hochzeit,der Kindtaufe, ja beim Begräbnisse der nächsten Verwandteneine Pracht und Verschwendung zeigen, welche an das Unglaub-liche grenzt, aber von uns nicht als Maßstab des täglichenLebens genommen werden darf. Es ist ferner nicht aus denAugen zu lassen, daß der Glanz des wirklich großen Reich-thums Einzelner in den Städten nur zu oft das Elend derzahlreichen Menge verdeckte, welche bittere Noth litt; daß be-sonders aber der nur zu oft schutzlose Bauer, der bei denStänden nicht vertreten wurde, eine immer traurigere Stel-lung erhielt und, dem Drucke der Steuern, der Willkür undPlünderung des Adels bei der mangelhaften Gerichtsverfas-sung und häufigen Schwäche der Fürsten preisgegeben, ge-wöhnlich als der arme Mann hinlänglich bezeichnet wurde.Daher eben fast überall noch im Leben eine große Unsittlich-keit und eine so furchtbare Anzahl der rohesten Verbrechen je-der, auch der unnatürlichsten Art und der grausamsten blutig-sten Bestrafungen, daß man darüber im Vergleiche mit derneueren Zeit billig erschrickt. In Breslau wurden in demZeiträume von fünfzig Jahren (1456 —1505) dreihundertund zwanzig Verbrecher, also jährlich mehr als sechs, meistcn-theils gehenkt und geköpft, auch verbrannt, gerädert, lebendiggeviertheilt, ersäuft, lebendig begraben. Kirchendiebstahl warsehr häufig. Frauenhäuser, überall in den größeren Städtenin bestimmten Straßen, nicht nur geduldet, sondern in Bres-lau hielten diese Dirnen sogar öffentliche Wettläufe nach vomStadtrathe ausgesetzten Preisen ').
Vor allen andern Völkern zeichneten sich die Deutschenüberhaupt aus im Saufen oder im Vulletrinkcn; je mehr ei-ner das pflegt, sagt der Pommer Kantzow ^), desto angeneh-mer ist er bei den Leuten gewesen. Daher mancherlei Artund grobe Bußen des Vulletrinkens, als, ein Kleeblättlcin, Vas
1) Dieses und vieles Andere aus dem Stadt-Archive von Breslauverdanke ich den handschriftlichen Mittheilungen des höchst gefälligenHerrn Professors Reiche.
2) Pomcrania Bd. II. S. 123.