110 Buch II. Zweites Hauptstück.
und spricht voll Selbstgefühls zu den Fremden, denen crSzeigt: „das ist mein Werk!" Breslau erweitert er um mehrals die Halste seines früheren Umfangs; Flüsse macht er schiff-bar, verbessert den Ackerbau, pflanzt Burgunder-Reben inMcluik, bringt selbst Muhamedaner aus dem Morgenlande nachPrag, um kostbare Zeuge von ihnen weben M lassen, und hin-dert sie nicht in ihrer Religion, obgleich er sie von den Chri-sten absondcrt. Überall ist er besorgt für das Wohl seinerUnterthanen, für die Erhaltung des inneren Friedens zumSchutze des Handels und zur Beförderung der Gewerbe. InPrag sitzt er oft Tag auf Tag, stundenlang vor seinem Schlosse,hört Klagen an und spricht Recht. Er halt überall auf Ord-nung und sucht wirthschaftlich den Ertrag seiner Lander zuerhöhen, bestellt seine Ämter mit tüchtigen Männern und weißdiese zu belohnen. Er ist so arm, daß er Kaisermantcl undKrone verpfändet und sich persönlich zur Haft zu stellen ver-spricht, wenn er si's nicht zur bestimmten Zeit auslösett wird;aber er ist reich, wenn es das Nothwcndigc, das Nützliche gilt,nur darauf ist sein Sinn gerichtet. Er ist fromm genug, alleStifter seines Reichs zu beschenken und viele Reliquien vonHeiligen zu sammeln und zu verehren; auch dem Papste ist ergehorsam, nur lässt er seine Unterthanen auch von diesem nichtbeeinträchtigen. Voller Verstand, fehlt ihm jede romantischeEmpfindung. Er lächelt zu dem dringenden Aufrufe des be-geisterten Petrarca, den Thron der Cäsaren wieder aufzurichten,und zürnet nicht, als ihm der Dichter lebhafte, ja scharfe Vor-würfe macht, cs nicht gcthan zu haben. Er ladet ihn zu sich,überhäuft ihn mit Güte und bittet ihn die Prinzen, seineKinder, zu erziehen. Karl weiß besser als Petrarca, wie un-gern die Deutschen nach Italien ziehen und wie noch wenigergern die Italiener deutsche Herrschaft ertragen. Er würde, mitdem Papste in Streit, mit den Italienern in Krieg verwickelt,von den Deutschen nicht unterstützt, seine Erbstaaten ein Raubder Nachbarn werden, und im glücklichsten Falle Alles damitenden, für wahre Macht in Deutschland falschen Glanz undeine unsichere Herrschaft über Italien erlangt zu haben. Ebensodenkt er über seine Stellung in Deutschland. Er verleihetFürsten und Städten was er nicht weigern, giebt aus, was er