90 Buch I. Achtes Hauptstück.
wollenen Bußhcmde mit hundert Rittern und Knechten vonGoldbcrg bis Breslau gehn und dort Lösung des Bannesnachsuchcn zu wollen. Dennoch endeten damit die Kampfenicht. Die Bischöfe gcricthcn öfters in Gefangenschaft undLebensgefahr, bis ihre Festigkeit das Ziel erreichte, wonach siestrebten. So gab Herzog Heinrich IV. an seinem Todes-tage (1290. 23. Junius) dem Bisthum Breslau als Ersatz fürden vielen Schaden, welchen er demselben zugcfügt hatte, dengroßen Freiheitsbricf, durch welchen er alle Güter und Un-tcrthancn des Bisthums von allen Lasten, Diensten undSteuern, die ihnen bisher zustanden, besreicte, das Gericht überHals und Hand, das Münzrccht und alle herzoglichen Rechteverlieh, wodurch es eben den Bischöfen von Breslau, beson-ders noch als Fürsten von Neisse, gelang sich zu einem Hä-hern Anschn und Macht emporzuschwingen als irgend einanderer Bischof der slavischcn Lander. Überhaupt aber konn-ten hier die Bischöfe nie so mächtig werden wie die meistenBischöfe des eigentlichen Deutschlands, welche zu einer Zeitentstanden waren, in der die landesherrliche Gewalt derFürsten sich noch nicht ausgebildet hatte, neben denen sic da-her selbst Schritt vor Schritt vorwärts gingen. In den sla-vischen Landern dagegen wurden die Bisthümer durch die sästunbeschrankten Landesherren gestiftet und begabt, und auch inden von den Deutschen eroberten Strichen erst dann fest ge-gründet, als die weltlichen Fürsten bereits so mächtig waren,daß sic neben sich keine andere Gewalt ganz aufkommcn liesscn.Keiner dieser Bischöfe wurde daher, so sehr einzelne danachstrsbten, ein deutscher Reichsstand, und die Fürsten behieltenüberall einen großen Thcil der Zehnten, verkauften, verschenk-ten und verliehen denselben, und die Geistlichkeit musste sichbegnügen mit dem, was sic nach langen Anstrengungen er-ringen und behaupten konnte, und was allerdings schon an-sehnlich genug war. In der Regel kostete ihr selbst der glän-zendste Sieg mehr als er Gewinn brachte, und daher schwiegsie oft lange, trotz vielfacher Beeinträchtigungen, die sie sich vonder Fürsten Habsucht und Gcwaltthätigkcit gefallen lassen musste.
Von einer andern Seite wurde sehr früh die Macht die-ser Bischöfe durch die Domcapitcl beschränkt, welche ihnen