28
Buch 1 Fünftes Hauptstück.
des Löwen, über die Macht und den Stolz dieses gewaltthä-ti'gcn Fürsten brach zwar mehr als einmal zur offenen Fehdeaus, aber immer schützte ihn Kaiser Friedrichs starke Hand,stellte den Frieden her oder erhielt ihn. So erlebte Albrechtdie Erfüllung seiner Wünsche gegen Heinrich nicht, doch bliebder Haß des Hauses Anhalt gegen die Welfen. Nach seinem1170 Tode thciltcn seine Söhne die weitschichtigcn Erbgüter. Otto I.folgte ihm als Markgraf von Brandenburg. Wenige Jahredarauf ereilte Heinrich den Löwen das Schicksal, welches demilbcrmuthe und dem Undanke gebührt. Kaiser Friedrich I.hatte sich für seinen Kampf mit den Päpsten um die Herr-schaft der Welt den Herzog als Gehülscn auscrsehn, dessenMacht über die aller Fürsten des Reichs erhöhet, ihn mitWohlthaten überhäuft und gegen die vielen Feinde geschützt,welche den gehassten Fürsten umgaben. Der stolze Heinrichmochte endlich nicht mehr des Kaisers Diener sein, weigertediesem Hülfe in der höchsten Noth, verachtete selbst die dc-müthigc Bitte seines Herrn und fürchtete dessen Zorn nicht.So erlag Friedrich der List und Beharrlichkeit Papst Alexan-ders II. und der Tapferkeit und Ausdauer der lombardischen1177 Städte. Er musste besiegt zu Venedig Frieden schlicssen, undder Preis eines thatcnreichcn Lebens, nach fast zwanzigjähri-gem blutigen Kampfe und den unerhörtesten Anstrengungen,war für immer dahin.
Kaum erscholl durch Deutschlands Gaue die Nachricht vondem Zorne des Kaisers gegen den gehassten Herzog, als ihnvon allen Seiten seine Feinde ansielen. Dreimal lud ihn
1180 der Kaiser vor das Fürstengericht, ächtete ihn, als er nicht er-schien, und verlieh Baiern dem Otto von Wittclsbach, demAhnen des königlichen Hauses Baiern, Sachsen dem GrafenBernhard von Anhalt, dem Bruder des Markgrafen Otto vonBrandenburg, Westphalen dem kriegerischen Erzbischöfe vonKöln, Philipp von Heinsberg. Erzbischöfe und Bischöfe zo-gen die Lehen ein, welche Heinrich von ihren Kirchen trug.Tapfer wehrte sich der Herzog und wo er erschien, hinterlicßer des Löwen blutige Spur. Er rief die von ihm besiegtenPommern auf, sie sielen den Markgrafen Otto an, der sie bei
1181 Dcmmin schlug. Endlich erschien der Kaiser an der Spitze