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Es gibt aber zum Glück noch Stadtkantore, die dagegenarbeiten, und die wissen, worin reiner Chor- und Mißto»sich vom Kammerton zu unterscheiden habe.
Den Lesern nicht, aber Organisten kann ich zumuthen,daß sie wissen, warum bloße Dissonanzen — denn Konsonan-zen sind nur unter dem Stimmen der Instrumente zu ertra-gen — aufs Chor gehören. Dissonanzen sind nach Eulerund Sulzer Ton-Verhältnisse, die in großen Zahlen ausge-drückt werden; sie mißfallen uns also nicht wegen ihres Miß-verhältnisses, sondern wegen unserS Unvermögens, sic in derEile in Gleichung zu bringen. Höhere Geister würden dienahen Verhältnisse unserer Wohllaute zu leicht und eintönig,hingegen die größer» unserer Mißtöne reizend und nicht überihre Fassung finden. Da nun der Gottesdienst mehr zurEhre höherer Wesen, als zum Nutzen der Menschen gehaltenwird: so muß der Kirchcnstyl darauf dringen, daß Musik ge-macht werde, die für höhere Wesen Paffet, nämlich eine ausMißtönen, und daß man gerade die, die für unsre Ohrendie abscheulichste ist, als die zweckmäßigste für Tempel wähle.
Machen wir einmal der Herrnhutischen Instrumental-musik die Kirchenthüre auf: so steckt uns zuletzt auch ihr Sin-gen an, und es verliert sich nach und nach alles Sing-Geblök,welches unsre Kirchen so lustig macht, und welches für Ka-stratcnohrcn ein so unangenehmer Hammer des Gesetzes, aberfür uns ein so guter Beweis ist, daß wir den Schweinenähneln, die der Abt de Baigne auf Befehl Ludwigs XI. nachder Tonleiter geordnet mit Tangenten stach und zum Schreienbrachte. So denk' ich über Kirchen- oder neudeutschenSchlachtgesang.
Ende der Ertrasplbe über die Kirchenmusik.