mit meinem Leser, der hier diesen nämlichen fremden Brief,den dessen Stellerin nie für ihn geschrieben, doch auf seinemSessel genau durchsieht. Ich meines Orts lese nichts, son-dern schreibe nur das ab, was mir der Hund gebracht. —Es ist schön, daß dieser Brief von ihr gerade in der reg-nenden, melodischen Nacht des Gartenfestes gemacht war,wo er seinen ersten an Emanucl geschrieben hatte.
St. Lüne de» 4, Mai t79**
„Sic verlangen es vielleicht nicht, vcrchrungwcrtherLehrer, daß ich mich entschuldige, da ich kaum aus Maien-thal bin und schon mit einem Briefe wiederkomme. Ichwollte gar schon unterwegeS schreiben, dann am zweitenTage, und endlich gestern. Dieses Maienthal wird mirnoch viele Thäler verderben; jede Musik wird mir wie einAlphorn klingen, das mich traurig macht und in mein Herzdie Erinncrnng an das Alpenleben unter der Trauerbirkebringt.
In dieser Stimmung würd' ich cö meinem Herzen nichtverweigern können, sich zu öffnen und sich vor dem Ihrigenin den wärmsten Dank für die schönsten und lehrreichste»Tage meines Lebens zu ergießen: wenn ich nicht den Ent-schluß hätte, in einigen Tagen wieder in Maienthal zu seyn;nach meiner zweiten Zurückkehr soll mein Herz seinen Wil-len haben.
In unscrm Hause fand ich nichts verändert — auch
s) Der Leser dieses Briefes wird leicht voraussctzen, daß Klo-tildc, da sic nicht weiß, iu wessen Hände er fallen werde —ist er doch gar in unfern — über ihre Verhältnisse und