131
!
l
auch überflüssig Takt ist, indem jeder dasigc Musikossiziantseinen eignen originellen pfeift, hackt, streicht, stampft, denerstlich kein anderer neben ihm pfeift, backt, streicht, stampft undden er zweitens selber von Minute zu Minute nmbcffcrt.„Und wenn auch das nicht wäre, sag' ich, so ist doch wahrermusikalischer Ausdruck im Ucberflnß da; jeder drückt darinfeine Empfindungen, die der Verlegenheit, des ErstarrcnS aufseinem Instrumente aus; und Bachs Regel, Dissonanzenstark und Konsonanzen schwach vorzutragcn, weiß in einemSaale jeder, wo die Konsonanzen so sanft cingcschmolzcnwerden, daß man fast keine hört und nur die Dissonanzenzu vernehmen meint."
Am andern Morgen flog ich unfrisirt znm Rittmeisterund — da ich den guten Kleinen um keinen niedern Preiserhalten konnte — brachte ihn ganz ans erste Ziel seinerReise hinan, nämlich das, einen Hofmeister mitznbckommcn.Man muß nicht denken, daß ich Informator geworden, umLcbenSbcschrciber zu werden, d. h. um pfiffiger Weise in mei-nen Gustav alles hinein zu erziehen, was ich aus ihm wie-der inS Buch hcrauszuschrciben trachtete; denn ich brauchtecö erstlich ja nur wie ein Romancn-Manufakturist mir bloszu ersinnen und andern vorzulügcn; aber zweitens, damalswurde an eine Lebensbeschreibung gar nicht gedacht.
Mir ist weit weniger daran gelegen, meine Scheeraui-schcn Verhältnisse bekannt zu sehen, als der Welt; denn ichkenne sie schon. Aber die Welt nicht. Ich sormirte eineDreieinigkeit von Personen da: ich war Klaviermeister, Rechts-konsulent und Weltmann. Drei närrische Rollen! — Ichstndirte in der Stadt, die sonst die größten Juristen undjetzo die kleinsten Hunde liefert, in Bologna, zwei ganz ent-
9 *