Druckschrift 
9 (1847) Feierabende : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
324
Einzelbild herunterladen
 

324 ^

vorher beichten solle, fing er wieder an, seine alte Sprachezn führen:Ich mnß meine Gcwiffensscrnpel schriftlichaufsctzcn nnd sie von der ganzen hiesigen katholischenGeistlichkeit erörtern lassen. Dazn brauche ich drei TageZeit. Wenn ich unterdessen nicht damit fertig werde, magman mir nicht nur den Kopf, sondern auch die rechteHand abhauen."

Auf dieses Geschwätz konnte nicht geachtet werden undman schritt zu seiner Entkleidung, wogegen er die ange-strengtesten Kräfte der Verzweiflung ansbot. Er wurdenun auf den Richtschemel gesetzt und ihm die Haare zu-sammcngebunden. Todesangst entstellte jetzt sein Gesicht,ein fieberhaftes Zucken durchlief alle seine Glieder, undmit blaugefärbtcn Lippen bat er stammelnd den Geistlichen,ihm das Blatt, worauf eine kurze Beichte geschrieben war,vor die Augen zu halten. Es geschah, und die Umstehen-den drangen vereint in ihn, ein Zeichen der Neue vonsich zu geben. Aber er öffnete nur den Mund, um Rache,Rache zu schreien.

Jetzt griff der Scharfrichter dem Geistlichen ins Amt,und ermahnte mit donnernder Stimme den Delinquenten,seinen Feinde» zn vergebe». Dicß wirkte mehr, als sanfteBitten.Ja, ich vergebe," sprach er leise.Habt Ihrauch Neue nnd Leid über Eure Sünden?" fuhr der Scharf-richter fort.Nene und Leid," wiederholte Jener undempfing von dem Geistlichen die Absolution.

Alle Umstehende wichen zurück, der Scharfrichter stelltesich an seinen Platz und erhob das Schwert. Plötzlich sahsich der Delinquent um. Schon im Hiebe begriffen, hieltder Scharfrichter ein und zeigte mit den Worten:Hierist die Gerechtigkeit. Bekehre dich, eS ist hohe Zeit!" das