Zweites Kapitel.
Die Damen cmigriren. — Konterfei der beide» Königstöchter.
Seit diesem Balle, bei dem cs viel Schläge und wenigVergnügen gab, unterließ die Königin gern, um mehrereKarnavalsfiten zu bitten. Sie ging vielmehr mit demGedanken um, sich nebst ihren Töchtern und Hofdame» inein Schloß zu begeben, das sie, einige Meilen weit vonder Hauptstadt, in einer einsamen Waldgegend besaß. Esstand seit langer Zeit unbewohnt und in dem Übeln Ruf,Laß bösartige Feen und andere Geister ihr Wesen dorttrieben. Dcmnngeachtct entschloß sich die Könitzin, ihrenHof dahin zu verlegen. Ihr Gemahl gab seine Einwilli-gung sehr gern dazu; denn es war längst sein Wunsch,den Schwarm der Frauenzimmer und überhaupt alle Men-schen, die nicht reiten konnten, um sich herum los zu sehn.
Die Reise ward nun ohne Verzug angctretcn, und dieEmigrantinnen kamen glücklich an ihren Bestimmungsort.Sie richteten sich bald ein und fanden Behagen an denstillen Freuden der ländlichen Natur. Es that ihren Oh-ren wohl, statt Kutschengerassel und Roßgewieher dasMurmeln des Wiesenbachs und die Lieder der Nachtigallzu hören. Ihre Zufriedenheit gewann auch dadurch, daßsich das hier vermuthetc Geistergesindcl, dessen Neckereienman gefürchtet hatte, nirgends blicken ließ. Endlich war