Basta! — fiel ihm Simpel mit Unwillen ins Wort:Was deines Amts nicht ist, da laß deinen Vorwitz! —Setze dich jetzt still in einen Winkel und sinn' auf Mähr-chcn! Ich will indessen ein paar Stunden schlafen; denndie Regicrungssorgen haben mich entsetzlich abgemattet,und für heute that ich genug. —
Mit diesen Worten warf er sich auf sein Strohkana-pec und schlief ein.
Der neue Kanzler machte sich zwar, wie Neinckc vor-ausgesagt hatte, mit seinem Fache bald vertraut; er fandaber auch eben so geschwind alle Schliche der parteilichenund eigennützigen Ncchtspfleger. Hieran war nun seineSchöngcistigkeit nicht im geringsten Schuld; denn solchesaubre Künste verstehen und üben viele Richter, denen dieschönen Wissenschaften ein Acrgerniß sind. — Wer dieWichtigsten Bcweisdocumente in seiner Küche cingab, derhatte Recht und behielt Recht. Im übrigen war er einaufmerksamer und strenger Wächter der Gesetze. Die Ver-letzer derselben wurden gemeiniglich zu der Strafe vcr-urtheilt, eine gewisse Zahl Hühner oder anderes Geflügelzu liefern. Diese Bußbraten fielen zwar, wie es hieß,dem königlichen Fiscus anheim; aber sie kamen nicht da-hin, sondern der Herr Kanzler verzehrte sic mit seinemSchwager Reineke, der ihm heimlich regieren half, ob ergleich, dem äußerlichen Ansehen nach, als eine stille Pri-vatperson lebte.
Denkling war und blieb der Busenfreund dieser beidenHerren. Er übernahm kein öffentliches Amt, und mischtesich gar nicht in Staatsgcschäste. Phlegmatisch begnügteer sich damit, in der Burg seines königlichen Vetters zusaulenzen, und von allem, was ihm gelüstete, die Hülleund die Fülle zu haben.