Druckschrift 
7 (1847) Neue Talismane. Vacuna. Der graue König : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
247
Einzelbild herunterladen
 

-o-D 247 «Lo-

verschlossen. Er klopfte an die nächste Zelle. Der Inha-ber derselben trat nach einer Weile heraus, erblickte beidem Scheine der Laternen, die auf dem Zellcngange brann-ten, die eingesargte Gestalt, sprang mit einem Schrei zu-rück und warf die Thür in's Schloß. Der furchtbareWandler klopfte an mehrere Zellen; überall glaubte maneinen Geist zu sehen und floh vor ihm.

Das ganze Kloster gericth in Bewegung. Einige be-herzte Mönche traten ihm endlich näher, redeten ihn an,und überzeugten sich, daß er kein Gespenst, sondern ihrvom Scheintodte wieder aufgelebter Mitbruder war.

Indessen war der Mönch, der über der Zubereitung desGlühweines die ihm anbefohlene Wache vernachlässiget hatte,in seine Zelle geschlüpft, und erwartete dort zagend einschweres Gericht. Er glaubte, sein Mitwächter Benedictwürde bei der Auferstehung des Todten die Flucht ergrif-fen haben. Als sich aber einige Mönche in's Todtenge-wölbe begaben, um ihn zu suchen, fanden sie ihn entseeltim Sarge. Alle Versuche des herbeigcrufenen Klosterarz-tes, ihn wieder zum Leben zu bringen, waren vergebens.

Der Unglückliche hatte wahrscheinlich den Scheintodtenaus dem Sarge gehoben, ihn an den Tisch gesetzt, undsich dafür in den Sarg gelegt, um seinen Wachgescllen zunecken. Als er aber den Leichnam lebendig werden sah,starb er vor Schrecken und ward in derselben Todtcnlade,in die er sich aus Muthwillen gebettet hatte, begraben.So schnell und hart rächte der Tod das frevelhafte Spiel,das mit ihm getrieben werden sollte.