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„Mein Sohn," — sprach der Greis mit schwacher Stimmeund reichte ihm die abgezehrte Hand — „ich freue mich,dich noch einmal in dieser Welt zu sehen. Wir sind unsin den letzten Jahre» sehr fremd geworden. Auch deinenBruder, der cs so redlich mit dir mepnt, hast du weniggeachtet. Ich bitte dich — in dieser ernsten Stunde,welche vielleicht die letzte meines Lebens ist., bitt ich dich— wache über dein Herz, daß es sich dessen, was du ge-lernt hast, nicht unmäßig erhebe. — Ach, welche Thorhcitist der Stolz! Dafür erkennt ihn der Mensch, wenn erauch stebenzig und achtzig Jahre von ihm verblendet ge-wesen ist, am Rande des Grabes. Hier sieht er das Trug-bild schwinden, welches ihm die Seligkeiten der Erde,Freundschaft und Liebe raubte, und ihm nun nichts alsReue zurückläßi. — Ich rede, leider! aus Erfahrung. Daich noch reich war, dünkt' ich mich ein höheres Wesen alsmeine Mitbürger; aber was gewann ich dabei? Ich machtemich durch Großsprecherei ihnen verhaßt, und so hatte ichkeinen Freund und konnte keinen haben. — Laß dir, meinSohn, dieses offne Bekenntniß zur Warnung dienen! Und,wenn du noch deinen sterbenden Vater erfreuen willst, sogeh hin und umarme deinen Bruder!" —
Heinrich, welcher am Krankenbette stand, flog ihm zu-vorkommend entgegen. Karl war erschüttert und gerührt.„Bruder," sprach er, „verzeih mir, daß ich von Jugendan deine Liebe mit Kaltsinn crwiedert und den Werth dei-nes edlen Gemüths verkannt habe. Ich fühle dieß Un-recht nicht erst seit heute oder gestern. Es gehört zu derMasse von Jrrthümern, worin ich bis jetzt schwankte, wieein Wanderer im Dunkel der Nacht. Aber je mehr ichaus den Büchern in die Welt blicke, je mehr fängt cs anin meinem Kopf und Herzen zu tagen. Ich bitte dich