Mal, nebst allen seinen Mitgefangenen, ausgeführt ward.So erfuhr er denn auch, daß es Sommer war, und erward desto fühlbarer davon überzeugt, da der Spazier-gang in den heißesten Mittagsstunden begann.
Außer dieser kleinen Abwechselung war sein Leben einewiges Einerlei, das von Woche zu Woche, wie der blindeGaul, der eine Mühle treibt, seine alte Bahn ging. Im-mer dieselben Lehr- und Spielständen, immer dieselben Gesich-ter und Speisen, immer derselbe Umgang und Schulwitz. —
Nasch und frei, wie der Wind, der über ein Blachfcldstreicht, lebte und webte indessen sein Bruder in der Hei-math der Natur, und machte sich mit ihr und ihren Schö-pfungen bekannt. Feld-, Wein- und Gartenbaue, Viehzuchtund Forstwesen beschäftigten ihn täglich vom ersten Hah-nenschrei an. Doch trieb er die Landwirthschaft nicht sohandwerksmäßig wie der Ackermann, sondern studierte sie,sammt allen dazu dienlichen Hülfswissenschaften; denn seinPrincipal wollte ihm so wohl, daß er ihn an dem Un-terrichte seines Sohnes, dem er einen eigenen geschicktenLehrer hielt, Theil nehmen ließ.
Die Wirthschastsgebändc des Kammcrgutes lagen kaumtausend Schritte vor der Stadt: cs fehlte daher unsermHeinrich nie an Gelegenheit, mit gebildeten und gesittetenLeuten umzugehen. Der Pachter liebte selbst die Gesellig-keit und stand mit einigen verständigen Männern i» frcund-schastlicher Verbindung. Sic kamen oft, um einen Abendmit ihm zu verplaudern. Ihre Gespräche waren ein Schaßvon Erfahrung, Lebensweisheit und Menschenkenntniß. Hein-rich (der als Sohn vom Hanse behandelt und von keinerGesellschaft ausgeschlossen ward) lernte daraus mehr Welt-klugheit in sechs Stunden, als Karl, der Bücherwurm,in eben so viel Jahren erlangte. —