weil ich in die Jahre komme. Bei den meisten Menschenhört zwar wie bei den Vögeln das Singen mit der Liebeauf; aber bei denen, die ihren Kopf zn einem Treibhaus ih-rer Ideen machen, geben die Jahre, d. h. die Ercrzirtagedarin der Phantasie wie den Leidenschaften einen höher»Wuchs. Dichter gleichen dem Glase, das im Alter bei demZerfallen bunte Farben annimmt. — Aber zweitens, wennich auch erst in meinem zwanzigsten Jahre blühete: so könnt'ich doch jetzo nicht frostig schreiben, maßen der Winter vorder Thür' ist. Rousseau sagt, im Stockhause brächte er dasbeste Gedicht auf die Freiheit heraus — daher die staats-gefangenen Franzosen sonst bessere Prosa darüber schriebenals die freier» Britten — daher dichtete Milton im Winter.Ich nahm oft im Sommer meine Schreibtafel hinaus undwollte ihn an dieses Silhonettenbrett anpressen und dann ab-schatten; aber die Phantasie kann nur Vergangenheit undZukunft unter ihr Kopirpapier legen und jede Gegenwartschränkt ihre Schöpfung ein — so wie das von Rosen dcstil-lirte Wasser nach den alten Naturforschern gerade zur Zeitder Rosenblütc seine Kraft einbüßet. Daher mußt' ich alle-mal warten, bis ich untreu wurde, eh' ich mit meinem Reiß-zeug an die Liebe gehen konnte. . . . Hingegen ein Mensch,der jetzt auf einer moluckischcn Insel gegen den Nachsommerhin den Frühling grundirt und auSzcichnet, muß ihn aus denvorigen Gründen und noch aus dem neuen, weil der fliegendeSommer der sehnen-erregende Nachklang und die Silber-hochzeit des Frühlings ist, mit viel zu Hellen Saftfarben denGallcric-Inspektoren einhändigen. —
Die bunt ausgcnähete Beschreibung von Viktors Auf-enthalt in Maienthal kann so lang werden wie die von Vol-