kannten Berghäupter immer finsterer und immer größer an dem Wagenvorbei, und die Freunde kamen erst an der Häusergruppe an, da wiederder Mond, aber nun ein abnehmender, über derselben stand, und denfahlgrauen Schimmer auf die Dächer legte, da der Staubbach wiederDiamanten warf, und die Gräser Perlen hielten. Auch in der Pernilzrührte sich das zerflossene Silber, und auf dem Waldlanbe stand derruhige feste Glanz; aber alle Fenster des ganzen Hauses waren schwarz,die Ruhe der Bewohner zeigend. Zwei davon, die allein in einem mattenGlimmer des Mondes schillerten, deckten das Gemach, in welchem derschlummernde Athen, Anna's ging. Heinrich stieg ab, und pochte leisemit dem hölzernen Hammer an das Thor, Robert aber ließ seinen Wa-gen umwcnden, um noch in der Nacht seine Hcimath zu gewinnen unddie harrende Thrinc zu beruhigen.
Der Wagen war an der Steinwand des Julius verschwunden; auchvernahm man sein fernes Rollen nicht mehr. Der Knecht der grünenFichtan, der das leise Pochen gehört, und auf Befragen die StimmeHeinrichs erkannt hatte, hatte ihn eingelassen, — und so war wiederAlles, was der heutige Tag gesehen, die lustigen Sonntagsgäste der grü-nen Fichtan, der närrische Erasmus, die zwei Wanderer, die Bewohnerjenes Berges, und das in seiner Liebe befangene Herz, in denselben wei-ten, lichtdämmernden, schlummerbringenden Mantel der Nacht gehüllt,und seinen Träumen überliefert.
Wir aber lassen sie schlummern und träumen, und schwingen unsindessen in die glänzende Luft hinauf, um aus ihr auf das ganze Bau-werk der Gebirge nicderzuschauen. Todt liegt cs unten weit hinaus, undzeigt die schwarzen Spitzen gegen den Glanz hinauf, an denen sich nichtein einziges Atom rührt, nur daß an den Wände» glitzernde Fäden nie-derrinnen, und auf den nassen Bergen hie und da ein blitzender Mond-funke harrt. Der Orion ist schon tief geneigt, und löscht bereits seineersten Sterne an den, schwarzen Gcbirgsrande aus — ein anderer Stern,ehe er völlig untergeht, blitzt noch so lebhaft, als sollte man in der Stillesein Knistern hören tonnen — der halbe Mond aber steht noch hoch amHimmel, und übergießt ihn mit de», Flore seines milchigen Lichtes, jedesSternlcin in seiner Nähe vertilgend. Alles, was unser Blick überschauenkann, von der Kette angefangen die unter dem blitzenden Sterne ihrenSchattenriß gegen den Himmel legt, über alle Höhen und Hügel herüber,Stifter. 4. Aufl. I. 21