Druckschrift 
1 (1855)
Entstehung
Seite
267
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weg. Alles schien sich zur Wochcnruhe und zur Feier des Sonntags zurüstein

Die Jäger waren aus dem Gebirge gekommen, die Bergarbeiterwaren auf dem Heimwege, und mancher sprach in der grünen Fichtau einwenig Vor. —- Weiber und Mägde und Töchter wuschen am Bache Fen-ster, Schemel und jede Gattung hölzerner Geschirre; — das Rauschender Sägemühle hatte aufgehört, und die Heerde, deren Geläute manschon lange einzeln oder harmonisch aus dem Gebirge herab gehört hatte,war nun endlich auch angekommen; — ans dem Scitenthale ging sie ma-nierlich hervor, eine Sammlung der unterschiedlichsten Hausthiere, sästLas gcsammte Eigenthuin der Fichtau. Vorerst kam das leichtfüßige undleichtfertige Geschlecht der Ziegen und Böcke von allen Flecke» und Far-ben, fast jede eine Glocke nm den Hals, so daß nun ein mißtönig Ge-klingel war, was von ferne so wunderschön läutete — dann kamenSchafe, schwarz und weiß, und mitten unter ihnen der so schöne glän-zende, ernsthaft kluge Schlag der Gebirgsrindcr. Mägde, Knechte, Bu-ben, wie es eben kam, empfingen die Thiere, die hieher gehörten, undihren Ställen znschritten; die andern (Thiere) gingen ihres Weges wei-ter, oder blieben gelegentlich stehen, oder traten gar zu der zechenden Ge-sellschaft, sahen traulich herum und ließen sich schmeicheln, daß die Hals-glocke erklang. — Zuletzt erschien auf der Wirthsgasse auch der verwit-terte, gebirgsgraue Hirtcnhund und sein Herr, der Hirte Gregor, miteinem Bündel Steigeisen beladen und einem jungen, todten Lamme, daser auf den Armen trug, gefolgt von dem Mutterschafe, das wedelnd undblökend zu ihm aussah. In seiner Person war der letzte Gast gekommen,der Samstags in der grünen Fichtau zu sein, und sein bescheiden GlasWein zu trinken Pflegte — aber heute war er traurig; denn das gestürzteLamm war das sinnige; er hatte cs auf die Bank gelegt, und sah unver-wandt darauf, wie dessen Mutter davor stand, cs beleckte und beroch.

„Vertrinkt den Aerger, Gregor," sagte der Wirtb, „heute kostetEuer Wein nichts, und das Lamm kaufe ich Euch morgen um gutesGeld ab."

„Es ist nicht wegen dem," antwortete Gregor, „aber cs wareingar so schönes, munteres Thier." bind er setzte sich doch nieder und führtedas Glas Wein langsam zum Munde.

Und immer feierlicher floß die Abenddämmerung um die dunklen