Druckschrift 
1 (1855)
Entstehung
Seite
217
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mal ganz deutlich. wie herausfordernd, schwärmerisch wild kam einGesang einer Männerstimme herüber, folgende Worte tragend:

Es war einmal ein König,

Er trug 'ne gold'nc Krön'.

Der mordete im WaldeSein Lieb und ging davon.

Da kam ein grüner Jäger:

Gelt, König, suchst ein Grab?

Sich' da die grauen Felsen,

Ei, springe flugs hinab."

Und wieder war ein König,

Der ritt am Stein vorbei:

Da lagen weiße Gebeine,

Die gold'nc Krön' dabei.

Die Stimme schwieg, und die Stille des Todes war wieder in Luftund Wald, und in den Herzen der Mädchen und als cs draußen schonlängst geschwiegen, getrauten sie sich noch nicht, sich zu regen, als sei dieScene nicht aus, und als müsse noch etwas kommen.

Aber sie war aus. Kein Laut, kein Athemzug, regte sich in derstummen funkelnden Mondlust. Da, nach langem Warten, drücktesich Johanna sanft und langsam rückwärts aus der Umarmung, und sahder Schwester in das Angesicht.

Es lag so bleich vor ihren Augen, wie der Mond auf der Fenster-scheibe.

Nicht eine Silbe sagten sie Beide.

Johanna, wie im Instinkt des Guten und hier Zuständigen, wen-dete ihre Augen wieder ab, und barg ihr eigenes Antlitz in das Nacht-gewand der Schwester und so viele, viele Augenblicke lang aneinan-dergcdrückt, wie zwei Tauben hielten sie sich, daß Johanna Clarissen'sHerz pochen fühlte, und diese das Zittern des Armes der andern aufihrem Nacken empfand.-Endlich furchtsam leise fragte die Jün-

gere:Clariffa, fürchtest Du Dich?"

Fürchten?" sagte diese, indem sie sich sanft aus der Umarmunglöstefürchten? nein, Johanna das Räthsel ist klar, dessen dunk-ler Schatten uns dieser Tage ängstete-ich fürchte nichts mehr."