Druckschrift 
1 (1855)
Entstehung
Seite
176
Einzelbild herunterladen
 

176

er nicht genug Lobes sagen, wie schön und still und wie abgeschlossenund unzugänglich jene Waldcsgärten sind, in denen er nun schon übervier Wochen dem Jagdvergnügen obliegt. Es ist fast wehmüthig zulesen, wie schwer sie Abschied davon nehmen er sagt: Kein Hauch,keine Ahnung von der Welt draußen dringt hinein, und wenn man sieht,wie die prachtvolle Ruhe Tagereisen weit immer dieselbe, immer mum-terbrochen, immer freundlich in Laub und Zweigen hängt, daß dasschwächste Gläschen ungestört gedeihen mag, so hat man schwere Mühe,daran zu glauben, daß in der Welt der Menschen schon die vielen Jahreher der Lärm des Krieges und der Zerstörung tobe, wo das kostbarsteund kunstreichste Gewächs, das Menschenleben, mit eben solcher Eil' undLeichtfertigkeit zerstört wird, mit welcher Müh' und Sorgfalt der Walddie kleinste seiner Blumen hegt und auferzichct. Denkt nur, einen schö-nen Felsenberg haben sie gefunden, der über den Wald emporragt, vonwo aus man unser Schloß erblicken kann; sie meinen, von unscrmrothen Eckzimmer müssen wir denselben scheu können. Wir wolle» heutenoch in demselben das Sehrohr aufstellen, und sehen, ob wir den Felsen-stock entdecken können, der der Vlockenstein heißt oder wäre cs nichtgar noch schöner, che der Winter kommt, geradewegs selber einen Spa-ziergang in jene anmuthigen Wildnisse zu machen?"

Ein zu Tode erschrockener Blick schlug aus de» Augen Johannäsgegen den Bater empor, und traf auf das freundlich fragende Vaterauge,Er stand auf, und ging einige Male unruhig im Zimmer auf und nieder,dann vor sie tretend, die mit Angst jede seiner Bewegungen hütete, sagteer ernst und liebreich:Johanna, liebes furchtsames Reh unddennoch muß cs sein, wir werden alle zusammen jene Wälder besu-chen-antworte noch nicht;-cs thut Noth, Kinder,

daß ich Euch eröffne, was wir diesen Sommer sürgcsorgt haben. DieserBrief ist aus Roscnbcrg hier einer aus Goldcnkron dieser vonPrag dieser ans Meißen und endlich einer aus Baiern, Ich habeEuch stets mit Nachrichten aus den Kriegsfcldern verschont, daß EuerHerz nicht mit Dingen beleidiget werde, die Ihr lieber nicht wisset; aber' ich habe ein Netz über alle Kriegsplähe gesponnen, daß ich stets KcnntiHder schwebenden Sache behielt und Voraussicht der künftigen cs ge-schah zu Frommen des Vaterlandes, und zu Eurem Schuhe, wie cs j«Gott zu meiner lieben väterlichen Pflicht gemacht. Man bereitet noch