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1 (1855)
Entstehung
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Vormittag glänzte und funkelte über den schweigenden Wipfeln, und einlichter Sonnenstreifen begann sich gemach über die Stickerei zu legensiehe, da pochte cs draußen ehrbar leise an der Thür, Einlaß heischend.Johanna sprang auf, und öffnete eilig den noch vorgeschobenen Riegel.Es trat sofort ein Mann herein, freundlich Willkommen bringend derVater der Mädchen, der in ihr Morgengcmach so bescheiden und ehr-fürchtig eintrat, wie ein Fremder. Er war damals schon hoch in denJahren, aber ein wunderschöner Greis, eine Gestalt, als träte sie auscinein Rahmen Van Dyk's in schwarzen Sammt gekleidet, hoch undstattlich, weißen Haupthaares und eines Bartes, der glänzend auf dieschöne breite Greisenbrust herniedcrwalltc ein Auge, stark gewölbtund sprechend, unter einer felsigen, gefurchten Stirne so hob sich dieErscheinung fast in jene Zeit der Seher und Propheten hinüber, eineRuine gewaltiger Männerkraft und Männergrößc, eine Ruine, jetzt nurnoch beschienen von der milden Abendsonne der Güte, wie ein stummerNachsommer nach schweren lärmenden Gewittern wie der müde Voll-mond auf den Garben des Erntefeldcs-die stille, milde, tiefe Güte.

Er war eine der wenigen damals noch sichtbaren Fignren des abgeblüh-ten Ritterthnms , so unpassend für seine Mitwelt, wie eine Zeitlose aufder plattgeschornen Herbstwiese, da die andern Blumen alle längst in dieScheunen gesammelt sind.

Beide Kinder hängen an seinen Augen. Er heißt sie fortstickenund da sie es thnn, weilt sein Blick ungesehen auf ihnen mit Ernst undLiebe. Er besieht die Arbeit und lobt sie, fragt Dieses und Jenes undweiß immer eine Antwort, die wie Oel in ihre Herzen fließet.

Da die Mutter der Mädchen schon vor zehn Jahren gestorben war,so war es um so rührender, den alten Mann unter den mutterlose» Töch-tern zu sehen cs ist eine Art von Zartheit darinnen, wie er mit ihnennmgeht, um ihnen das verlorne Muiterherz zu ersetzen. Vorzugsweisebeschäftigt er sich mit der jüngeren, als sei sie es noch am bedürftigste».

Nachdem er sie befragt, ob sie in ihrem kleinen Haushalte etwasbenöthigten, ob keine Farbe der Stickerei auszugehen drohe, ob ihreKleider und Stoffe in gute»! und prunkendem Stande seien, ob keineMagd oder Zofe etwas verschuldet, oder ob sie sonst nichts vermißtenoder wünschten und als er auf all dieß lauterNein" oder lauterguter, lieber Vater" zur Antwort erhielt, so lächelte er, und sagte, er