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Färbung, und manche zarte schöne blaue Rauchsäule steigt fern aus ihmzu dem heitern Himmel auf. Es wohnet unsäglich viel Liebes und Wch-müthcs in diesem Anblicke.
Und nun, lieber Wanderer, wenn d» dich satt gesehen hast, so gehejetzt mit mir zwei Jahrhunderte zurück, denke weg aus dem Gemäuer dieblauen Glocken, und die Maslieben und den Löwenzahn, und die anderntausend Kräuter; streue dafür weißen Sand bis an die Vormauer, setzeein tüchtig Buchenthor in den Eingang und ein sturmgcrcchtes Dach aufden Thurm, spiegelnde Fenster in die Mauern, theile die Gemächer,und ziere sie mit all dem lieben Hausrath und Flitter der Wohnlichkeit— dann, wenn Alles ist wie in den Tagen des Glückes, blank, wie aus
dem Gusse des Goldschmiedes kommend-dann geh' mit mir die
mittlere Treppe hinauf in das erste Stockwerk, die Thüren fliegen auf-Gefällt dir das holde Paar?
Es sind die Töchter Hcinrich's des Wittinghau-scrs, in dessen Wohnung du dich befindest — Wittinghausen hieß vorZeiten das Schloß, che es von einem in der Nähe erbauten und nunebenfalls verfallenden Kirchlein den Namen St. Thoma erhielt.
Die Jüngere fitzt am Fenster und stickt, und obwohl es noch früham Morgen ist, so ist sie doch schon völlig angckleidet und zwar miteinem mattblauen Kleide nach der so malerischen Art, wie wir sie nochhie und da auf Gemälden aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges sehen.Alles ist nett. Acrmel und Mieder schließen reinlich, jede Falte derSchleppe liegt bcwußtvoll, jede Schleife sitzt wohlberechtigt, und jedeBuffe gilt, und über dem Ganzen des Trachtenbaues schwebt als Giebelein schönes Köpfchen, über und über blondlockig, und schaut fast wun-dersclig jung aus der altväterischen Kleiderwolke. Man sieht cs offen-bar, sie hat hohe Freude an ihrem Anzüge, und hat ihn auch dcßwegenschon ganz und gar an. Zu den blonden Locken stehen seltsam die dun-kelbraunen, fast schwarzen Auge», wenn sie mit ihnen gelegentlich er-schrocken oder neugierig emporleuchtet—aber dann liegen sie so rein undrund in ihrem Rahmen, daß man sieht, wie die junge Seele, unberührtvon Schmerz und Leidenschaft, noch so arglos zutäppisch durch ihre Fcn-sterlein herausschaut, weil die Welt gar so groß und prächtig ist. DenLocken nach ist sie älter, als achtzehn, den Augen nach, jünger als vier-zehn Jahre. Vielleicht steht sie mitten.