Druckschrift 
1 (1855)
Entstehung
Seite
166
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liches, nämlich das leuchtende Band der Moldau, wie cs sich darstelltvon einem Höhenpunkt desselben Waldzuges angesehen, aber etwa zehnWegestunden weiter gegen Sonnenaufgang. Dnrch die duftblauenWaldrücken noch glänzender, liegt cs geklemmt in den Thalwindungen,weithin sichtbar, erst ein Lichtfaden, dann ein flatternd Band, und end-lich ein breiter Silbergürtel um die Wölbung dunkler Waldesbnsen ge-schlungen dann, bevor sie neuerdings schwarze Tannen- und Föhren-wurzeln netzt, quillt sie auf Augenblicke in ein lichtes Thal hervor, daswie ein zärtlich Auge aufgeschlagc» ist in dem ringsum trauernden Wal-dcsdunkel. Das Thal trägt dem wandernden Waldwasser gastlicheFelder entgegen, und grüne Wiesen, und ans einer derselben, wie aufeinem Sannnetkissen, einen kleinen Ort mit dem schönen Namen Fried-bcrg. Von da, nach kurzem Glanze, schießt das Wellcnsilber wiederin die Schatten, erst des Jesuiterwaldes, dann des Kienbcrgcs, und wirdendlich durch die Schlucht der Tcufelsmauer verschlungen.

Der Punkt, von dem aus man fast so weit als cs hier beschrieben,den Lauf dieser Waldestochter übersehe» kann, ist eine zerfallene Ritter-burg, von dem Thale aus wie ein lustblauer Würfel anzusehen, der amobersten Rande eines breiten Waldbaudcs schwebet. Friedberg's Fenstersehen gegen Südwesten auf die Ruine, und dessen Bewohner nenne» sieden Thomasgipfel oder Thomaslhurm, oder schlechthin St.Thoma, und sagen, es sei ein uraltes Herrenschloß, auf dem einstgrausame Ritter wohnten, weshalb es jetzt verzaubert sei und in tausendJahren nicht zusammeufallen könne, ob auch Wetter und Sonnenscheindaran arbeite.

Ost saß ich in vergangenen Tagen in dem alten Mauerwerke, ei»liebgewordenes Buch lesend, oder bloß den lieben auskeimenden Jugcnd-gefühleu horchend, durch die ausgebröckclte» Fenster zum blauen Himmelschauend, oder die goldnen Thierchen betracbtcnd, die neben mir in denHalmen liefen, oder statt all dessen bloß müßig und sanft den stum-men Sonnenschein empfindend, der sich auf Mauern und Steine legte oft und gern verweilte ich dort, selbst als ich das Schicksal Derernoch nicht kannte, die zuletzt diese wehmüthigc Stätte bewohnten.

Ein grauer viereckiger Thurm steht aus grünem Weidegrnnde, vonschweigendem, zerfallenem Außenwerke umgeben, tausend Gräser, undschöne Waldblumen, und weiße Steine im Hofraume hegend, und von