senden; aber es wäre recht lieb und schön von Dir, wenn Du viel eherkämest, als Du verhaft.
Kennst Du nicht ein Lied von Iustinus Kerner: „das Alpenhorn?"Es ist, wie Einer immer, wo er geht und steht, das Alpenhorn seinerHeimath leise, leise klingen hört und cs ihn mahnt, als müsse er sogleichnach dem Elternhause aufbrechen — eben wird cs in einem Zimmerneben dem nnsrigen von einer außerordentlich schönen Männerstimmegesungen — ach! Mancher hat eine Heimath an die ihn ein ewig tönen-des Alpcnhorn erinnern wird; aber er vermag sie nicht mehr zu erreichen,ach, nicht mehr zu erreichen. Wo in Zukunft etwas Gutes und Schönesfür mich erblühen wird, werde ich cs zusammcnfließen lassen mit ihremschöne», geliebten, schwer gekränkten Bilde, und dieses Bild werde ichtreulich durch mein ganzes Leben tragen. Es ist gut, daß Lothar ummich ist, dieses kräftige dichterische Herz — — cs wird schon Allesgehen!! Lebe wohl, lebe tausendmal wohl!
15 .
Lieüfrauenschuh.
Aussee, 15. August 1834.
Es ist heute Sonntag und auch nicht mehr viel davon übrig. Ichwill ihn größtentheils zum Schreiben an Dich verwenden. Wir fuhrenvon Skier bis Kirchdorf, um von dort Abends tm Mondscheine nachScharnstein zu gehen. Die zwei andern Begleiter unserer Reise sind einjunger Doctor der Arzneikunde, Joseph Knar und Isidor Stollberg (keinVerwandter der Grafen). Wir blieben fast einen ganzen Nachmittag inKirchdorf. Lothar malte das Kremsthal, und Isidor und ich saßen imSchatten der Apfelbäume bis fünf Uhr; da kam Lothar wieder und derAufbruch wurde beschlossen; aber es fehlte der Doctor. Auf der Kegel-bahn war er gesehen worden; auch in der Wirthsstube, tm Hofe, selbstim Stalle — und jetzt war er nirgends zu finden. Erst um sechs Uhr