Druckschrift 
1 (1855)
Entstehung
Seite
77
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dm Umschlag:alte Geschichte" die neue, die romantische, beginntmit jenem Balle bei Aston. Titus, eine Tempelhalle, weit und un-geheuer, hat sich in meinem Herzen ansgebant, und ich trage einen neuenseligen Gott darinnen. Wärest Du nur da, oder wenigstens Lothar, derauf dem Hochschwab oder Schneeberg Studien macht; denn so habe ichkeine Seele znm Umgang, d. h. ich habe eine Menge, aber alle tauge»nicht dazu, daß man vor ihnen ein kindisches, seliges Herz ausschütteund so trage ich es schon Wochen lang voll und ahnungsreich in dentosenden Gassen herum, oder, wenn mich diese drücken, so suche ich dasFreie und bette cs in den Schatten eines Baumes und horche seinenBlättern, die sich Sommermärchen erzählen; dann wird cs so ruhig undsanft in mir, wie Sonntags ans den Felder». Oder ich lese eine Nachtaus, in der ich auf einen der Westberge Wiens steige, um den Tages-anbruch über der großen Stadt zu sehen, wie erst sachte ein schwacherLichtstreif im Osten aufblüht, längs der Donau weiße Nebelbäuke schim-mern, dann die Stadt sich massenweise aus dem Nachtdufte hebt, theil-wcise anbrennt, theilweise in einem trüben Goldrauche kämpft undwallt, theilweise in die grauesten Ferntöne schreitet, und wie der ganzePlan durchsä't von goldnen Sternen ist, die da von Fenstern blitzen, vonMctalldächern, Thurmspitzen, Wetterstangcn, und wie draußen dasblaßgrüne Band des Horizonts schwach und sanft durch den Himmelgehaucht ist.

Und wenn ich nicht mit der Natur umgehe, so sitze ich zu Hause undarbeite an meinen Tafeln oft sehe ich sie stundenlang an und habe dasGefühl, als sollt' ich wunderschöne Dinge machen da kommen mirdann Träume von glänzenden Lüsten und schönen Wolkenbildern darin,lieben fernen Bergen und ihrem Sehnsuchtsblau, wie Heimwehgefühle,von sonnigen Abhängen, von Waldesdunkel und kühlen Wässern drinnenund von tausend andern Dingen, die sich nicht erhaschen lassen, schatten-haft und träumerisch durch die Seele ziehend, wie Vormahnungcn vonunendlicher Seligkeit, die bald, bald kommen müsse. Dann male ich undlasse das Ding so gehen, wie cs geht, und es ist mir, Titus, als fingemanches Bild an, mir zu gefallen.

Nachmittags endlich, wenn sich die Hitze müdcrt, gehe ich zum Essen,was, wie Du weißt, bei mir im Sommer sehr wenig ist, und dann inein wohlbekanntes Vorstadthaus, durchschreite seinen Hof und trete in