Druckschrift 
1 (1855)
Entstehung
Seite
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Ich will aber jetzt von dieser Vergleichung aufhören und Dir andereDinge in diesem Tageblattc berichten. Ich habe mein Modell wiedergesehen. Sie ist noch immer dieselbe. Ans Zufall sah ich sie mit ihrerMutter in die Annenkirche gehen, und ich ging dann auch hinein. Sollteich sie hier oster sehen können, so will ich suchen, mir ihre Züge zu steh-len und in einer glücklichen Stunde ans die Leinwand zu werfen ; dannfendc ich Dir ein Miniatnrbild davon für Deine Sammlung schönerMenschenköpfe. Vielleicht kann ich Dir gleich zwei erlesene Stücke sen-den ; denn Aston versprach, daß ich in den nächsten Tagen bei seine?Familie eine der größten Schönheiten sehen solle ja, die größte, wieer unumwunden erklärte, welche die Lust innerhalb der Mauern Wiensathme und daß er es so veranstalten wolle, daß ich unvermerkt ibrBild m meine Mappe bekomme, da sic außer andern tausend Thorheüenauch die besitze, nie einem Maler sitzen zu wollen. Sie ist die vertranteFreundin seiner Töchter, denen sie, wie er sagt, den Kopf eben so albernmache, wie der ihrige ist. Jetzt kommt sie nicht, weil ihre Tante trankist. Ihr Vorname ist Angela, welchem Vornamen sie wohl körperlich,aber nicht geistig entsprechen soll. Nun, ich bin neugierig toll wärecs, wenn sie meine Antike wäre.

Noch muß ich Dir sagen, ehe ich schließe, daß ich gestern wiedereinmal recht spazieren war, so zu sagen, unendlich, ans allen Landenherum, um Heerschau über alle Schönheiten zu halten, über lebende undleblose. Da waren die lichten, klaren, glänzenden Lüfte mit den wun-derlichen Aprilwolken voll Sonnenblicken das Zittern der anbrüten-den Lenzwärme über den noch schwarzen Feldern die schönen grünenStreifen der Wintersaat dazwischen : dann waren die rvthlich fahlenWälder, die an den Bergen hinanziehen, mit dem sausten blauen Luft-Hauch darüber, und überall ans der farblosen Erde die geputzten Men-schen wandelnd, die so gern die ersten Strahlen der schwachen Lenzsonneund der reinen Lust genieße» wollten. Eine Mutter sah ich mit mehre-ren schönen Töchtern, die sehr jung waren und in allen Abstufungen biszur Kindheit herab auf den lieben runden Wangen das Roth der Un-lchuld und Gesundheit trugen, welches Roth noch röther wurde, als ichsie unversehens anblickte. Ich habe diese Gattung Scham so gerngleichsam rothseidne Vorhänge zieht die junge Seele plötzlich vor demfremden Auge über, das unberufen will hineinschen. Auch Männer sah