6
lange Wolkenbänder zwischen sich ließen, war mir's, als schwebe lang-sam eine dunkle Scheibe — ich griff rasch um das Fernrvhr, und schwangcs gegen jene Stelle des Firmaments — Sterne, Wolken, Himmelsglanzflatterten durch das Objcctiv — ich achtete ihrer nicht, sondern suchteangstvoll mit dem Glase, bis ich plötzlich eine große schwarze Kugel er-faßte und festhielt.
Also ist cs richtig, eine Boraussage trifft ein: gegen den zartenweißen Frühhimmcl, so schwach roth erst, wie eine Pfirsichblüthe, zeich-nete sich eine bedeutend große dunkle Kugel, nnmerklich emporschwebend— und unter ihr an unsichtbaren Fäden hängend, im Glase des Rohreszitternd und schwankend, klein wie ein Gedankenstrich am Himmel —das Schiffchen, ein gebogenes Kartenblatt, das drei Menschenlebenträgt, und sie noch vor dem Frührothe herabschütteln kann, so naturge-mäß, wie aus der Wolke daneben ein Morgcntropfen fällt.
Cornelia, armes verblendetes Kind! möge dich Gott retten undschirmen!
Ich mußte das Rohr wcglegen ; denn es wurde mir immer graui-gcr, daß ich durchaus die Stricke nicht sehen konnte, mit denen das Schiffam Ballon hing.
Ist nun auch die zweite Thatsache so gewiß, wie die erste; dannlebe wohl, du mein Herz, — dann kanntest du und liebtest du dasschönste, großherzigste, leichtsinnigste Weib!!
Ich mußte doch das Rohr wieder nehmen; aber der Ballon warnicht mehr sichtbar, wahrscheinlich hatte ihn das obere jener Wolkenbän-der ausgenommen, gegen dessen Grund seine Zeichnung verschwand. Ichwartete und suchte dann noch lange am Himmel, fand aber nichts mehr.
Mit seltsamen Gefühlen des Unwillens und der Angst legte ich dasFernrohr weg und starrte in die Lüfte, bis endlich eine andere, aberglühende Kugel emporstieg, und ihr strahlendes Licht über die große hei-tere Stadt ausgoß, und auf meine Fenster, und auf einen ungeheuren,klaren, heitern, leeren Himmel.