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Nachschreiben von Jean Paul.
Guter Bruder!
^)as tugendhafte Zürnen unsers Viktors wird sich baldstillen. Die Ursache, warum er (und jetzt ich) Dir die großeBekehrung unsrer unfriedlichen Triebe schriftlich berichten, ist,damit wir uns recht schämen müssen, wenn wir einmal längerpoltern als eine Minute, oder langer hassen als einen Augen-blick. Diese umfangende Liebe begehrt ein Opfer, das zögern-der hingegeben wird, als man denkt, das Opfer des selbstge-fälligen Vergnügens, das der Zorn in den Anblick fremderSünden und die Satire in den der fremden Thorheitcn, alseinen versüßenden Zusatz *) mengt, und an deren Stelle nurdas reine Mitlciden über die ewigen Krankheitversetzungen undchronisch-blutenden Wunden und Narben der hülslosen Mensch-heit tritt.
Aber nun will ich mit unserer schwimmenden Inselund mit ihrem seligen Helldunkel ganz nahe vor dem Augerudern!
Die Sonne hatte sich über die Nebel-Alpen hcrumgezogenund stand weißglühend über Frankreich in Westen, gleichsam
*) Die wachsende Menschenliebe bricht dem satirischen Ver-gnügen an fremder Thorheit immer mehr ab; die Thorheiteines Busenfreundes macht uns nichts als bittcrn Schmerz:warum wollen wir nicht alle Menschen als Busenfreundebehandeln?