lichen Vult, einen zwar außen ungcmalten, aber innen schönglasirten Sauertopf, mit meinen Töpferfarben umzöge? Oderkann irgend ein Testament ansinnen, daß ich einem fremdenCharakter etwas aus meinem eignen vorstreckc? Mich dünkt,ich und sämmtliche poetische Wcberschaft haben oft genug be-wiesen, wie gern und reich wir jedem Charakter — und wär'er ein Satan oder Gott — von unserem leihen und znstecken.Wir gleichen am wenigsten — dieß dürfen wir sagen — je-nem englischen Geizhalse, Daniel Danccr, welcher ans einenfremden Acker nichts von dem, was die Natur bei ihmübrig hatte, wollte fallen lassen, sondern wie toll vorher aufseinen eignen rannte mit der Sache. Sondern recht freu-dig leihet der Romancier alles, was er hat und was er ist,seinen geschriebenen Leuten ohne das geringste Ansehen derPerson und des Charakters! Folglich hätte wol niemandVults Tagebuch so gern umgeackert und besäet als ich, wär'es nöthig gewesen.
Andere Gründe, z. B. Zeitmangel und Haustumult, schütz'ich nicht einmal vor, weil diese sich aus persönliche Vertranun-gen gründen, womit man wol schicklicher das Publikum, alseinen verehrlichcn Stadtrath behelligt; worunter aber in jedemFalle die Nachricht gehören würde, daß ich gestern nach mei-nem Wechselficber des Wechsels — doch nur mit Städten —wieder aus Koburg abgezogen bin nach Baircuth. Niemandmuß überhaupt die Zeit mehr sparen als einer, der für dieEwigkeit nicht sowol lebt — das thut jeder Christ — alsschreibt. Wie viel Blattsciten lässet denn die UioZrnpIiin Bri-tannien unseres Jchs der Historiole des Universums übrig? —Wie ohnehin alles uns Dichter drückt, scheinen nur die altenHolzschnittschncidcr zu ahnen, wenn sie Bienen und Vögel
Jean Paul'S auSgew. Werke. X.1V. 15