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Goethe und Werther : Briefe Goethe's, meistens aus seiner Jugendzeit ; mit erläuternden Documenten
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zu haben daß sie die beste Frau, die beste Mutterund das vollkommenste weibliche Geschöpf war, das ichkenne. Sanft ihr Charakter, weich, gefühlvoll ihrHerz, zugleich munter und heiter. (Ich zähle ihre Ei-genschaften her, wie sie mir einfallcn.) In ihrer Jugendwar sie eine Schönheit, und noch am 40stcn Jahre,nachdem sie 14 oder 15 Kinder gehabt, versah man siezu Zeiten für eine ihrer Töchter. Ihre Miene wareinnehmcnd und ganz Bescheidenheit, sittsam und jung-fräulich. Sie erröthete noch wie das unerfahrensteFrauenzimmer für einen freien Ausdruck. Ihr Körperwar weiblich, schwach und zart; auch ihre Seele warweiblich, aber sie dachte auch wie ein Mann, groß,edel und war oft hcldenmüthig. Ohne xigusul witzigzu seyn, konnte sie aufmuntern, anderer Mienen auf-heitern, wie sie wollte und war sehr unterhaltend. Sieredete viel ohne Weibergeschwätz. Ihre Kinder warenihr vornehmstes Geschäft; für diese sorgte sie unaufhör-lich; sie hatte sie immer um sich und bildete ihre jungenSeelen, ohne daß die Kinder cs selbst wußten, ohneStrenge, ohne Furcht, durch lauter Liebe und Zärtlich-keit; doch gestattete sie ihnen auch keine Unart. TieKinder liebten ihre Mutter dagegen eben so zärtlich;nirgends waren sic lieber als Key ihr; wenn sie aus-gieng betrübten sie sich, sie lagen ihr an bald wiederzu kommen, und wenn sie wieder kam war lauter

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