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Goethe an Kestner.
v. 4. Dec. 1785 d. 2. April 86 beantw.
Seit dem Empfang Eures Briefes, lieber Kestner,habe ich mich über Euer Schicksal nicht beruhigen kön-nen, das Ihr mit so vielem guten Muthe ertragt. > Bis-her wart Ihr mir eine Art von Ideal eines durchGenügsamkeit und Ordnung Glücklichen und Euer muster-haftes Leben mit Frau und Kindern war mir ein fröh-liches und beruhigendes Bild. Welche traurige Betrach-tungen lassen mich dagegen die Vorfälle macheil die Euchüberrascht haben und nur Euer eignes schönes Beyspielrichtet mich auf. Wenn der Mensch sich selbst bleibt,bleibt ihm viel. Seyd meines herzlichen Anthcils über-zeugt, denn mein mannigfaltiges Wcltleben hat mir meinealten Freunde nur noch weither gemacht. Ich dankeEuch für den umständlichen Brief und für das sichereGefühl meiner Thcilnchmung. Lebet wohl, grüst Lottenund die Kinder. Das Bad hat gute Wmkung hervor-gebracht und ich bin recht wohl.
W. d. 4 Dez. 85. G.
i Kestner hatte eilten beträchtlichen Verlust an seinem Vermögenerlitten, dessen Veranlassung ihn noch besonders schmerzlich machte.