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67.
Goethe an Kestner.
see. W. 23. Apr. 73. Darmst.
Dank euch Kestner für eure zwey liebe Briefe liebwie alles was von euch kommt, und besonders jezt.Der Todt einer teuer geliebten Freundinn ist noch ummich. Heut früh ward sie begraben und ich binn immeran ihrem Grabe, und verweile, da noch meines LebensHauch und Wärme hinzugeben, und eine Stimme zu seynaus dem Steine dem Zukünftigen. Aber ach auch ist" mir verboten einen Stein zu sezen ihrem Andencken, undmich verdrießt dass ich nicht streiten mag mit dem Gewäschund Geträtsch.
Lieber Kestner, der du hast lebens in deinem Armein Füllhorn, lasse dir Gott dich freuen. Meine armeEristenz starrt zum öden Fels. Diesen Sommer gehtalles. Merck mit dem Hofe nach Berlin, sein Weib indie Schweiz, meine Schwester, die Flachsland, ihr, alles.Und ich binn allein. Wenn ich kein Weib nehme odermich erhänge, so sagt ich habe das Leben recht lieb, oderwas, daß mir mehr Ehre macht, wenn ihr wollt. Adieu.Einem Engel tausend Grüsse