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Pult am Fenster aufgeschlagen; daneben ein Manuscriptohngefähr Fingerdick in Quart, philosophischen Inhalts,der erste Thcil oder Brief war überschritten: Von derFreyheit, es war darin von der moralischen Freyheitdie Rede. Ich blätterte zwar darin, um zu sehen, obder Inhalt auf seine letzte Handlung einen Bezug habe,fand es aber nicht; ich war aber so bewegt und con-sternirt, daß ich mich nichts daraus besinne, noch dieScene, welche von der Emilia Galotti aufgeschlagen war,weiß, ohngeachtet ich mit Fleiß darnach sah.
Gegen 12 Uhr starb er. Abends V^ll Uhr warder auf dem gewöhnlichen Kirchhof begraben, (ohne daßer seciret ist, weil man von dem Reichs-Marschall-AmteEingriffe in die gesandtschaftlichen Rechte fürchtete) inder Stille mit 12 Lanternen und einigen Begleitern;Barbiergesellen haben ihn getragen; das Kreuz wardvoraus getragen; kein Geistlicher hat ihn begleitet.
Es ist ganz ausserordentlich, was diese Begebenheitfür einen Eindruck auf alle Gemüther gemacht. Leute,die ihn kaum einmahl gesehen, können sich noch nichtberuhigen; viele können seitdem noch nicht wieder ruhigschlafen; besonders Frauenzimmer nehmen großen An-theil an seinem Schicksal; er war gefällig gegen dasFrauenzimmer, und seine Gestalt mag gefallen haben :c.
Wetzlar d. 2. Nov. 1772.