Druckschrift 
Goethe und Werther : Briefe Goethe's, meistens aus seiner Jugendzeit ; mit erläuternden Documenten
Seite
38
Einzelbild herunterladen
 

38

Er haßt zwär den 8ceptieismum, strebt nach Wahr-heit. und nach Dcterminirung über gewisse Hauptmatc-rien, glaubt auch schon über die wichtigsten determinirtzu scyn; so viel ich aber gcmerckt, ist er cs noch nicht.Er geht nicht in die Kirche, auch nicht zum Abendmahl,betet auch selten. Dcnn,^.sagt er, ich bin dazu nichtgenug Lügner.

" Zuweilen ist er über gewisse Materien ruhig, zu-weilen aber nichts weniger wie das.

Vor der Christlichen.Religion hat er Hochachtung,nicht aber in der Gestalt, wie sie unsere Theologen ver-stellen.

Er glaubt ein künftiges Leben, einen bessern Zu-stand.

Er strebt nach Wahrheit, hält jedoch Mehr vomGefühl derselben, als von ihrer Demonstration.

Er hat schon viel gcthan und viele Kenntnisse, vielLectürc; aber doch noch inehr gedacht und imsomrirt.Aus den schönen Wissenschaften und Künsten hat ersein Hauptwerks gemacht, oder vielmehr aus allen Wissen-schaften, nur nicht den sogenannten Brodwissenschaften.

Am Rande dieses flüchtig hingeworfenen Brouillonsfügt Kcstner noch hinzu:

Ich wollte.ihn schildern, aber cs würde zu weit-