Druckschrift 
1 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
445
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dauer gegen Dich, wenn ich Dich in irgend Etwas, das Dirdienen könnte, oder was überhaupt möglich zu geben ist, imStiche lassen sollte. So aber war es nicht möglich, Dir früherirgend etwas Vernünftiges oder Zusammenhängendes von derKranken zu schreiben, und selbst jetzt scheint es noch zu früh undDir gewiß unbefriedigend; aber es ist nichts anderes da, um somehr, da Du sie in anmuthigen Abwesenheiten gesehen und dieRealität sich schroffer und herber macht, kann Dir auch die guteMeinung dieses Briefes nicht genügen.

Mein liebstes Herz! werde doch recht einfältig und offen,und solltest Du auch ein Tölpel darüber werden müssen, dannwird es erst eine Freude Dir zu dienen.

Sieh nur! ich könnte ja längst aufhören Dir zu schreiben,aber ich schiebe es immer auf, weil ich stets hoffe, es kämemir noch Etwas in die Feder, was gut oder erfreulich sei.Auf den ersten Brief antwortete ich so augenblicklich und schnell,daß mir das ganze Herz mit heraus plumpte, welches als einhöchst nöthiges Eingeweide nicht anständig ist Präsentirt zuwerden, und darum blieb der Brief zurück. Ich finde in denmeisten Briefen, die ich erhalte, kaum die charakterisirende Hand-schrift, viel weniger eine wirkliche Mittheilung der Schreiber,und kann mich darum nie entschließen eben so zu schreiben; dasSchreiben ist mir wie ein Aderlässen an einer ordentlichen Puls-ader und nicht wie ein Stich mit der Nähnadel so neben beiin den Finger. Mein Verhältniß zu den Meinen ist stät undununterbrochen, es ist nicht eine Stunde wo ich nicht Alles mitihnen theile, drum meine ich, ich schriebe immer fort. Wahr-haftig mein Kind! es war nichts zu schreiben da, darum sei nichtböse. Aber wenn Du so böse werden willst, daß Du mit demFuße stampfen willst und sagen: es ist doch unausstehlich,abscheulich, daß er nicht schreibt, so thue es doch, es freut mich,und ich will Gott bitten helfen, daß er Dir die läßliche Sünde