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Demuth an die Hoffart hinwegwirft. Lasse diese Demuth! —
Meine liebe Schwester, meide allen Umgang, wo Dugefällst; das ist gefährlicher, als Lob. Ich lobe Dich nicht, ichlobe den Herrn. Ich habe Nichts ihm zu bringen. Ach, zürnenicht, daß ich so brenne, Dich ihm zu bringen; ich Elender habeja nichts Besseres. Muth! Lasse die Welt. Empfange IesumChristum; ach, wie wird er Dich durchleuchten, der Dich jetztnur anglänzt, da Du ihn oft überstrahlst durch Naturlichter,worüber er weint.
2Z. Oktober.
Gestern ist der große, fromme, lustige, muthwillige, zärtliche,hüpfende, fliegende, betende, Alles umarmende, alte Gottes-KnabeSailer und Christian bei mir angekommen. Sailer küßte,drückte und knetete mich, wie einen alten bekannten Teig, derihm unter den Fingern aufgegangen; wir waren sehr lustig undvertraut. Christian grüßt Dich herzlich. Er ist Sailer's Reise-Verstand, und sie disputiren immer geistlich, sie sind kindisch,vertraut und lustig miteinander. Sailer hält Viel auf ihn.Gott wird helfen, daß auch ich meinen Weg und meine Hackein seinem Weinberge finde. Ach, es fehlt unendlich an Priesternund Begeisterten in der Kirche; aber es rührt sich Vieles, dennneben der Noth steht der Engel.
Sailer erzählte mir von dem trefflichen Bischof von Mainz,bei dem sie gegessen; er wirkt wie ein Muster eines Priesters,geht zu Fuß zu Kranken und Bedrängten, und hat einen bequemenuntergeordneten Geistlichen so lange alle Morgen selbst gewecktund gebeten, auch zur Kirche zu gehen, bis er endlich durch-gedrungen.
Vincentius ist sein Muster. Der weibliche Orden desselben,die Schwestern der Vorsicht, werden in Mainz und in Bayern