2«S
welche auf Abbruch verkauft sind, und das betrübte mich. Umsechs Uhr kam ich nach Halberstadt. Die Umgebung voll Gärtenund alten Alleen mahnt an einen alten Bischofssitz. Die Ein-fahrt durch die Straßen stellt die seltsamsten alten Holzhäuserdar, wie Du sie nie gesehen und ich auch nie, ganz verschnitztund überbaut und die Stockwerke fünf bis sechs, aber nicht vielhoher, als die Menschen. Im Wirthshaus ein liederlicher Amt-mann am Tisch, der seinen Bruder tractirt, einen so eben ausAmerika angekommenen jungen Mann.
Bon hier fuhr ich der Post noch eine Station nach, bisCilly, und ertappte diesen schleichenden, mit unsäglichen Flüchengemarterter Reisenden beladenen Kasten für wilde Thiere, einehalbe Stunde dahinter, um zwölf Uhr mit zwei Beiwagen. Inein paar Minuten war mein Felleisen auf den Beiwagen geworfenund ich kroch in diese traurige Kaffetrommel. Alles zugeschnallt,finster wie im Ofenloch, warm, dabei ein Sitz zu hoch, zu schmal,unendliches plumpes Stoßen — schöne Nacht, wunderliche Häuser— gute Gedanken — liebe Freundin. Uber Hildesheim —Hameln — hierher.
Ich finde hier die freundlichste Einladung von Stolbergund die zwei Schwestern des Wirths, zwei aufgehobene Nonnen,im Wirthshaus. Die eine, in ihrem Dachstübchen krank, empfängtmich im Bett liegend, verschleiert, unendlich liebevoll. O welchein frommes, herrliches, leidendes Gesicht! Wir sprachen vonder Emmerich. Die andere Schwester läuft selbst mir denWagen zu miethen, und ist sehr gut und verständig. Die Kranke,deren weiße Wände mit hübschen Bildern geschmückt, schien durchmeine Nähe und Rede sehr erfreut. Ach! . . . schon aus diesemStübchen wärst Du nie gegangen. Es ist etwas in diesen
Menschen, was größer ist, als es in den Pietisten sein kann.
Die andere Nonne will zwei Stunden Wegs mit mirfahren. Sie besorgt Alles hier für Stolberg. Von Christian's