52
wöhnlich zeigen, selbst wenn ste sie wirklich nicht fühlen. ImGegentheil, seine Manieren schienen die eines höflichen Wir-thes gegen einen unerwarteten, ja selbst unwillkommenen Gastzu sein, welchen er seines Ansehens wegen höflich, doch wedergut noch bereitwillig empfängt-
Fragst du, woraus ich es schließe, so kann ich dir eswahrlich nicht sagen; ja, wenn ich dir selbst die unbedeutendenGespräche, die zwischen uns gewechselt wurden, der Längenach herschricbe, so würden sie auch diese Bemerkung nichtrechtfertigen können. Genug, wenn er seine Hunde fütterte,welches er von Zeit zu Zeit mit großer Freigebigkeit that,so schien er eine erfreulichere Pflicht zu erfüllen, als wenn erseinem Gaste dieselbe Aufmerksamkeit widmete. Im Allge-meinen machte er auf meinen Geist den schon erwähntenEindruck.
Als das Abendessen geendigt war, ward eine kleine Um-hängflasche mit Branntwein in einem seltsamen Gestell vongeflochtener Silberarbcit den Gästen dargereicht. Ich hatteschon ei» kleines Glas Liqueur getrunken, da konnte ich mich,als Nabel und Christa! sich dessen bedient hatten, und dieFlasche wieder heraufgereicht wurde, nicht enthalten, das Wap-pen genauer zu betrachten, welches auf dein silbernen Gestelleeingegrabcn war- Als aber mein Auge dem meines WirtheSbegegnete, bemerkte ich augenblicklich, daß ihm meine Neu-gierde im höchsten Grade mißfiel; er runzelte die Stirne, bißsich in die Lippen, und zeigte so deutliche Spuren der Unge-duld, daß ich die Flasche sogleich hinstellte und mich zu ent-schuldigen versuchte. Doch er würdigte mich keiner Antwort,ja er schien nicht einmal darauf zu hören, und auf ein Zeichenvon seinem Herrn entfernte Christal den Gegenstand meiner