Druckschrift 
22 (1852) Redgauntlet
Entstehung
Seite
528
Einzelbild herunterladen
 

528

antwortete Lilias,hätte ich die meinigen blicken lasse»; dasie mich aber fortwährendem Tadel und Vorwürfen oder nochetwas schlimmerem ansgcsetzt hätten, so hielt ich sie möglichstgeheim, so daß gelegentlicher Tadel wegen Kälte oder Mangelan Eifer für die gute Sache das schlimmste war, was ich zuerfahren hatte, doch dieß war schlimm genug."

Ich lobe Eure Vorsicht," sagte Darfle.

Ihr habt wohl recht," erwiederte seine Schwester,dennich erhielt, als ich kaum eine Woche mit ihm bekannt war,einen so schrecklichen Beweis von meines Oheims entschlosse-nem Charakter, daß ich belehrt wurde, wie gefährlich es seinwürde, ihm zu widersprechen. Ich will Euch den Umstand er-zählen, denn Ihr werdet daraus besser, als aus irgend etwasAnderem, was ich von seiner Keckheit und Schwärmerei an-führen könnte, seinen romantischen und entschlossenen Charak-ter kennen lernen.

Ich hatte mich manches lange Jahr im Kloster befunden,da wurde ich zu einer hagern, alten, schottischen Dame vonhohem Rang, der Tochter eines Unglücklichen, gebracht, dessenHaupt im Jahr I7is im Temple-Bar aufgesteckt wordenwar. Sie lebte von einer kleinen Pension vom FranzösischenHofe und gelegentlichen Geschenken der Stuarts, wozu dasjährliche Kostgeld, das für mich bezahlt wurde, einen wün-schenswerthen Beitrag bildete. Sie war weder übellannischnoch geizig, sie schlug mich nicht, und ließ mich nicht fasten,aber sie war so vollkommen von Rangsncht und Vorurthei-len eingenommen, so furchtbar gründlich in der Genealogie,und so schneidend bitter in Sachen der brittischcn Politik, daßich oft dachte, cs sei Schade, daß die Hannoveraner, welcheihrem gewöhnlichen Ausdruck zu Folge ihren armen theuernVater ermordet hatten, seine thcure Tochter im Lande der