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22 (1852) Redgauntlet
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geurtheilt, wenn man annehmen wollte, daß die Meinungallein, er habe ihre Zuneigung leichter gewonnen, als er er-wartete, die Ursache seiner undankbaren Herabsetzung eineszu leicht gewonnenen Preises gewesen sei, oder daß seineflüchtige Neigung nur um sein Herz gespielt habe, wie derflimmernde Strahl der winterlichen Sonne, der ans eineEisscholle fällt, und sle zwar ans einen Augenblick zu erleuch-ten, aber nicht zu schmelzen vermag. Nichts von Allem demwar genau sein Fall, obgleich eine solche Unbeständigkeit derStimmung wohl auch ihren Einfluß in die Wagschale legenmochte. Die Wahrheit ist vielleicht die, daß das Vergnügeneines Liebhabers, wie das eines Jägers, in der Jagd besteht,und daß die glänzendste Schönheit, wie die schönste Blumeihren Duft, zur Hälfte wenigstens ihren Reiz verliert, wenndie begehrliche Hand sie gar zu leicht erreichen kann. Damuß noch Zweifel, da muß noch Gefahr, da muß nochSchwierigkeit sein; und wenn, wie der Dichter sagt, derStrom der glühenden Leidenschaft niemals sanft dahinfließt,so ist dieß vielleicht darum, daß ohne den Eintritt von Hin-'dernifsen das, was man das Romantische in der Liebe nennt,in seinem hoch poetischen Charakter und Glanze sich vorfindenkann; eben so wenig, als in einem Fluß eine heftige Strö-mung sein kann, wenn er nicht durch steile Ufer eingeengtoder durch entgegenstehende Felsen zurückgestoßen wird. In-dessen dürfen Diejenigen, welche eine Verbindung für dasLeben eingehen ohne diese Hindernisse, welche einem DarsieLatimer oder einer Lydia Languisch in Scheridan'sNeben-buhlern" Vergnügen bereiten mögen, und welche vielleichtnothwendig sind, um in minder festem Gemüthern, als dieihrigen, eine schwärmerische Neigung zu erzeugen, keine übleVorbedeutung für ihr künftiges Glück fassen, weil ihre Ver-