Druckschrift 
22 (1852) Redgauntlet
Entstehung
Seite
294
Einzelbild herunterladen
 

294

meine Einkerkerung mit dem zerrütteten Zustand meines Gei-stes beschönigen. Ich muß nun durch ein gesetztes, ruhigesBetragen gegen Alle, die sich mir nahen, meinen Unterdrückernden Vorwand rauben, unter dem sic mir meine Freiheit ent-ziehen. Ich habe ein schauderhafter Gedanke! vonMenschen gehört, die man tyrannischer Weise in ein Tvllhaussperrte, und die nach langen Jahren des Elends, in den Zu-stand der Unglückseligen verfielen, mit denen man sie eingeker-kert hatte. Ist es aber der menschlichen Natur möglich, mitfestem, innerem Willen, ansteckenden, äußeren Sympathienzu widerstehen, so soll es gewiß bei mir nie dazu kommen.

Jetzt aber setze ich mich, um meine Gedanken zu beruhigenund zu ordnen, um meinen Kerkermeister denn so mußich ihn nennen gehörig anzureden. Nur mit Mühe konnteich das Gefühl des erlittenen Unrechts und der Rache, diesich zuerst in meiner Feder aussprachen, unterdrücken, und ei-nen zuvorkommenderen Ton annehmen. Ich erwähnte diebeiden Male, wo er mir mit der größten Gefahr das Lebenrettete, fügte hinzu, daß ich überzengt wäre, daß die Gefan-genschaft, die ich auf seinen Befehl erduldete, gewiß nicht da-hin zielen könnte, mich in's Unglück zu stürzen. Er könntemich vielleicht für einen Anderen ansehen, und deßwegen gabich ihm einen genauen Bericht von meinen Verhältnissen undvon meiner Erziehung. Ich versicherte ihn ferner, daß ernicht zu besorgen brauche, daß ich zu schwach zum Reisen undder eigenen Fürsorge nicht fähig wäre, da ich völlig wieder-hergestellt sei. Endlich erinnerte ich ihn, mit festen aber ge-mäßigten Ausdrücken, daran, daß cs ungesetzmäßig wäre,mich den Gesetzen zum Trotz, welche die Freiheit aller Bürgerschützen, gefangen zu halten. Zuletzt verlangte ich vor einenRichter gestellt zu werden, oder wenigstens eine mündliche