Kirche selbst aber mußte dieses nochwendig zu Unordnungen allerArt Veranlassung geben, weil die meisten dieser Gesellschaften inmehrere Provinzen verbreitet waren und unter verschiedenen Obser-vanzen lebten, ein Umstand, der täglich neue Streitigkeiten anfachtc.Die Franziskaner nämlich hatten Ursache, sich darüber zu beschwe-ren, daß besonders die Johann-Boniten ein dem ihrigen so sehrähnliches Kleid trugen, daß es schwer war, sie von einander zuunterscheiden. Gregor IX. nöthigtc daher im Jahre 1241 die Jo-Hann-Boniten, Schnitt und Farbe ihres Ordensgewandes zu ändern,stets eine Art von Krücke in der Hand zu haben, und wenn sievon den Gläubigen Almosen erhielten, anzngcben, welcher Anstaltsie angehören.
Derselbe Papst und Jnnocenz IV. gaben sofort mehreren dieserErcmitengescllschaften die Regel des heil. Angustin. Diese Regeljedoch scheint, wenigstens in der Weise, wie man sie beobachtet, nichtgerade vom heil. Angustin verfaßt zu scyn. Sie ist vielmehr einAuszug ans einer spätem vorgenommcncn Zusammenstellung seinerzwei Reden über die Sitten der Geistlichen und seines 109tenan die Nonnen von Hippo gerichteten Briefes. An diese Vorschrif-ten hat man sodann noch einige besondere Statuten geknüpft.
Natürlich schlugen die Päpste die Schwierigkeiten, welche dasVorhandensein so vieler von einander unabhängigen Congregationenhervorbrachte, hoch an. Daher ruhte Alcrander IV., um den Be-schluß des Coneiliumö vom Lateran hinsichtlich der Vervielfältigungder Mönchsorden zu vollstrecken, nicht eher, als bis er endlich ineinem zu Rom im Jahre 1256 abgchaltcnen Gcneralkapitcl cS da-hin gebracht hatte, daß diese verschiedenen Gesellschaften in eineneinzigen Orden verschmolzen wurden; ein Schicksal, dem nur wenigedieser Genossenschaften zu entgehen wußten. Es hatte nämlich die-ser Papst sämmtliche Superioren dieser Congregationen zu einerGeneralversammlung in das Kloster Santa Maria del Popolo be-rufen, und ihnen befohlen, zum gemeinschaftlichen Ober-au andere Congregationen, z. B. an die Servilen, übergingen und ihr Namebald verschwand. Es gab anch Sacknonnen, welche das Leben dieser Brüdervon der Buße nachahmten; dieselben hatten zn Paris neben Saint-Andro-des-Arcs ein Haus und ließen ihren Namen der Straße Sachettcs (Sack-nonnen).