Druckschrift 
1 (1845)
Entstehung
Seite
338
Einzelbild herunterladen
 

338

minikus versprach, so erzählt eine fromme Chronik, in den letztenAugenblicken seines Lebens, er werde auch nach seinem Tode stetsbei seinen Brüdern bleiben, und sie nie vergessen, wenn er bei Gottsich freuen werde, und dann erst werden sic die ganze Wirkungseiner Fürsprache empfinden. Und in der That verwirklichte sichbald daö prophetische Wort des heiligen Stifters. Die Dominikanersandten ihre Glaubensboten bis in die entlegensten Gegenden desErdkreises, und an allen Orten, wohin diese Missionäre ihren Fußsetzten, in Ostindien und Mcrieo, bei den Peruanern und Mongolenerhoben sich alsbald Klöster. Ihr Orden schien das Geheimnis; zubesitzen, sich zur rechten Zeit und am rechten Orte zu erneuernund zu verjüngen. In der neuen Welt nämlich fand er wieder,was ihm in der alten die Lauigkeit oder die Häresie entrissen hatte.Und man halte cs ja nicht für eine Ucbcrtrcibnng, wenn wir be-haupten, der Orden habe zur Zeit seiner schönsten Blüthe in seinen45 Provinzen 150,000 Mönebc gezählt.

Man kann leicht erwarten, ein so ausgcbrcitctcr Orden werdenach und nach in Erschlaffung fallen und dasselbe Schicksal mit denmeisten andern Klostcranstaltcn thcilen, in denen es Verbesserer ver-sucht hatten, entweder neue Uebnngcn cinzuführcn oder die ursprüng-liche Ordensregel in ihrer ganzen Strenge wieder hcrzustellcn, sodas; er sich durch solche Reformen in mehrere Zweige und sogar inmehrere neue Orden zersplittert, ein Schicksal, dem auch die Fran-ziskaner nicht entgehen konnten. Und in der That ist cs der seligeConrad von Preußen, der ums Jahr 1389 der Wiedcrhcrstellcrder Observanz in allen deutschen Dominikanerklöstern wurde. Dieauf diese Weise gebildeten Congregationen gelangten jedoch niemalszu einer solchen Unabhängigkeit, daß sie nicht unter Aufsicht undLeitung deS OrdenSgcnerals gestanden wären.

Die bcmerkcnswcrthcste dieser Congregationen ist die des PateröAntonius le Quieu (16011676). Als nämlich Papst Martin V.im Jahre 1425 die Dominikaner von der strengen Armuth diöpen-sirte und ihnen Einkünfte, Besitzungen und unbewegliche Güter er-laubt hatte, so war die erste Folge dieses Privilegiums, daß manallmählig auch die übrigen Punkte der Regel nachlässig beobachtete.Die Nutznießung der Ländereien und Einkünfte weckte die Leiden-