Druckschrift 
5 (1851)
Entstehung
Seite
68
Einzelbild herunterladen
 

sicher» Eroberungen gegen die Wildheit der Aliemanncn aufge-sührt habe. Denn hier vorüber ging einst der alte Straßcnzngvon der untergegangenen Vindoniffa nach Solothurn und Aven-ticum, den Ufern des AarstromeS nach, so lange südwärts nochAlles unermeßlicher Wald war, von keiner Art gelichtet.

Gangolf grüßte freundlich zum Thurm hinauf, wo aus demschmalen Fensterlei» der alte Herr von Luternau die Vorüberwan-delnden betrachtete. Sein Geschlecht hatte die Burg schon seitalten Zeiten von den Königen zum Lehen getragen, und Gangolfhatte mit den Kindern Lnternau'S einst seine Jugendspiele getrieben.

Ueber die Brücke des städtischen Ringgrabens ritten unsere Rei-senden wohlgcmnth durch das hochgethürmte Thor, mit dicke» Pfvr-tcnfiügeln und Fallgattern wohlversehcn, zu der noch nngepflastertenStraße des Städtleins Aarau hinein. Links und rechts in denHäusern war es von mancherlei Gcwerb und Handwerk laut: undneugierige Köpfe fehlten nicht an den Fenstern, die Eintretendenzu betrachten. Ueber den Brücken des schmalen, rauschenden Stadt-bachs wandelten ehrbare Bürger gemächlich ans nnd ab in Ge-sprächen von Stadt- und Hausdingen. Alle zogen srcundlich-grüßend Barct nnd Kappen vom Haupt, als sie den Junker Trüllereyerblickten, der ihnen lieb war, wie von jeher sein Geschlecht.Denn dasselbe hatte sich jederzeit an der Stadt Aarau löblich ver-halten nnd derselbe» viel Gutthate» und treue Dienste erwiesen.

Rechts, am Ende einer Seitengasse, stieg abermals ein mäch-tiger, gevierter Thurm mit niedrigem Seitengebäude empor, durchden Burggraben und die starke Ringmauer von der übrigen Stadtgetrennt. Eine schmale Zugbrücke an Kette» lag über dem Graben.Das war die alte Veste Rorc, der Frcihof von Aarau. Manhatte damals in mehrern Städten Freihöfe, wohin jeder verfolgteUnglückliche Zuflucht und Sicherheit fand, er mochte schuldig oderunschuldig sein. Die Wildheit der Sitten in jenem Zeitalter^