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Als Christen sollen wir nach jener Heiligkeit des Gcmüthesstreben, die Jesus selbst zum Muster sür uns trug; nach jenerUnschuld der Kindheit, ohne welche Niemand in sein Reich tretenkann.
Wer dieses Glück errungen, wird mit Entzücken die wunder-bare Macht der Tugend erkennen; er wird die Welt verwandeltfinden, indem er fich doch nur selbst zu ändern glaubte; er wirdFrieden, Rechtschaffenheit, Treue, Ordnung, Liebe finden, wo ersie vormals weder in fich, noch in Andern erblickte. Was erselbst ist, und was er liebt, wird ihm von allen Seiten entgegcn-kommen. Er wird jenen liebenswürdigen Zug in seiner Denkarterhalten, welcher unser Herz immer so innig an das unbefangene,arglose, gläubige Herz des Kindes zieht: Gutmüthigkeit undVertrauen.
Diese Gutmüthigkeit, welche nur das vorzügliche Eigenthumdes kindlichen Herzens zu sein pflegt, ist die schönste Eigenschaftdes Erwachsenen, und ein um so kostbareres Kleinod, je schwerercs, nicht etwa im Gewühl der äußern Welt, sondern im Gewühlunserer inner» Welt, vor Leidenschaften zu bewahren ist. DieGutmüthigkeit des Mannes ist eine offene Bürgschaft sür dieUnverdorbenheit seines Herzens, eine zuverlässige Zeugin seinerMenschenliebe, die auch da noch »»erschüttert geblieben ist, wosie durch die Tücke Anderer oft grausam verrathen ward.
Sic äußert sich in unfern Gesinnungen darin, daß wir Men-schen so lange nicht für schlecht und verderbt halten, als wir nichtdie sprechendsten, unzweideutigsten Beweise ihrer Schlechtigkeitvor uns liegen sehen; daß wir, um einiger Fehler unsers Räch-sten willen, nicht sogleich seinen ganzen Werth verwerfen; daßwir überhaupt einen Widerwillen dagegen empfinden, im Thunund Lassen unserer Mitcrschaffcnen nur Bosheit und Laster zuvcrmuthcn. Wer die Menschen lieben will, kann cs nicht er-