Druckschrift 
16 (1851) Die Braut von Lammermoor
Entstehung
Seite
93
Einzelbild herunterladen
 

von Ravenswovd war selbst in der größten Hitze seines Zornsnicht geneigt, sich einer Versöhnung zu widersetzen, die dasWohlwollen Sir William Ashtons gegen ihn und die Ver-mittlung seines edlen Verwandten nicht unmöglich machten.Er selbst reiste ab, ohne sich einen Augenblick langer zu ver-weilen, als cs diese Verabredungen nöthig machten.

Er spornte zuerst sein Pferd zu einem scharfen Lauf durcheine Allee des Parks, als wenn er durch diese heftige Bewegungdie Gefühle hätte betäuben wollen, die sein Inneres durch-stürmtcn. Doch als der Weg wilder und einsamer wurde,und als die Bäume die Thürme des Schlosses versteckt hatten,minderte er nach und nach seine Eile, als wollte er sich denpeinlichen Gedanken, die er vergebens zu bekämpfen sich be-strebt hatte, überlassen. Der Pfad, auf dem er sich befand,führte zum Nixenbrunnen und zu Alicens Hütte, und der vcr-hängnißvolle Einfluß, den der Aberglaube jenem Orte zuschrieb,sowie die Warnungen, die Alice vergebens an ihn gerichtethatte, drängten sich seiner Erinnerung auf.Alte Sagensprechen Wahrheit," sagte er zu sich selbst;der Nixenbrnnnenist in der That von der letzten Unbesonnenheit des Erben vonRavenswood Zeuge gewesen Alice hat wohl gesprochen,"fuhr er fort,und ich bin in der Lage, die sie voraussagteoder vielmehr in einer noch schmachvolleren nicht der Ge-nosse und Freund des Verwüsters von meines Vaters Haus,wie die alte Sibille sagte, sondern der erniedrigte Tropf, dernach einem so niedrigen Verhältniß gestrebt hat, und mitHohn abgewiesen worden ist."

Wir sind verpflichtet, unsere Erzählung so zu geben, wiewir sie empfangen haben, und wenn wir die Entlegenheit derZeit erwägen und den Wunderglauben derer, durch derenMund diese Erzählung gegangen ist, so könnte man dieselbe