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16 (1851) Die Braut von Lammermoor
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Dem Anschein »ach bestärkte die zweite Durchlesung die Mei-nung, welche er durch die erste erhalten hatte, denn er sprangvon seinem steinernen Sitze auf, ging auf den Lord Keeperzu, faßte seine Hand, und indem er dieselbe stark druckte, bater ihn wiederholt um Verzeihung für die Ungerechtigkeit, dieer ihm, dem Beschützer seiner Freiheit und dem Vertheidigerseiner Ehre zugcfügt habe. '

Der Staatsmann empfing dies Bekenntniß zuerst mit einemwohlgcspieltcn Erstaunen und dann mit der Miene herzlicherOffenheit. Die Thränen begannen bei diesem unverhofftenund rührenden Auftritte aus Luciens blauen Augen hervorzu-dringen. Den noch vor Kurzem so stolzen und verschlossenenRavcnswood, den fie immer für den Beleidigten gehalten hatte,ihres Vaters Verzeihung erflehen zu sehen, mar eine eben sounerwartete als schmeichelnde und rührende Veränderung.

Trockne deine Augen, Lucic," sagte ihr Vater,warumwillst du weinen, daß man deinen Vater, obgleich er ein Ju-rist ist, für einen billigen und gerechten Manu erkennt?Wollt Ihr mir für etwas danken, mein lieber Herr," fuhr er,an Ravenswood sich wendend, fort,das Ihr an meiner Stellenicht gethan haben würdet? 8uum cuigue tribuito war derRechtsgrundsatz der Römer, und ich lernte ihn, als ich Ju-stinian stndirte. Uebrigens, habt Ihr mir nicht Alles tausend-fach dadurch vergolten, daß Ihr das Leben dieses theuren Kin-des gerettet habt."

Ja," anwortete Ravenswood in vollem Gefühl seinerSchuld,aber dieser geringe Dienst war nur die Folge einer-dunklen Aufwallung, während die Verthcidigung, die Ihr mirgcwährtet, zu einer Zeit, wo Ihr nur zu gut wußtet, wieschlimm ich von Euch dachte, und wie feindselig ich gegen Euch