Druckschrift 
16 (1851) Die Braut von Lammermoor
Entstehung
Seite
2
Einzelbild herunterladen
 

2

daß Ihr über diesen Gegenstand scherzen wollt doch scheintcs unmöglich, daß Ihr es ernstlich meint."

Unschuld," sagte der Lord Keeper,ist immer voll Zutrauen,und zuweilen, ob wohl dies verzeihlich ist, ist sle es mit Ver-messenheit. "

Ich verstehe nicht," sagte Ravenswood,wie das Bewußt-sein der Unschuld in irgend einem Falle vermessen genanntwerden kann."

Wenigstens kann es für unklug gehalten werden," sagteSir William Ashton;denn es kann uns zu dem Jrrthumverleiten, als wenn das, dessen wir uns ganz allein bewußtsind, auch für alle Andere klar wäre. Ich habe erfahren, daßsich ein Schurke aus demselben Grunde besser vertheidigte, alscs ein Unschuldiger unter dem nämlichen Verdacht gethan hätte.Da ihn das Bewußtsein der Unschuld nicht unterstützt, so hältsich ein solcher Kerl an jeden Vortheil, den ihm das Gesetzgewährt, und zuweilen (wenn seine Beistände Männer vonTalent sind) gelingt es ihm, die Richter zu zwingen, ihn fürunschuldig zu halten. Ich erinnere mich der bekannten Sachedes Sir Coolie Condiddle von Condiddle, der wegen Verun-treuung angeklagt war, und der, obgleich seine Schuld allerWelt bekannt war, nicht nur freigesprochen wurde, sondernauch fortfuhr, über ehrlichere Leute zu Gericht zu sitzen."

Vergönnt mir, Euch zu bitten, zur Sache zu kommen,"sagte Ravenswood,Ihr schienet zu sagen, daß ich im Ver-dacht gestanden hätte."

Im Verdachte, Herr? ei, freilich und ich kann Euchdie Beweise davon zeigen, wenn ich sie bei mir habe. Lock-hard, kommt her (der Diener kam) Gebt mir das kleineFelleisen mit den Vorlegeschlößchen, das ich Euch besondersanempfohlen habe hört Ihr?"