Druckschrift 
15 (1851) Das schöne Mädchen von Perth
Entstehung
Seite
138
Einzelbild herunterladen
 

138

Ich sah wohl Deutschlands inuth'ge Schaar

Sah Frankreichs tapfre Ritter zwar,

Bei Schwert und Lanze groß, fürwahr!

Ich sah wohl Englands tapfern Sohnund seiner braunen Streitaxt Drohn.

Ob Frankreich schön und England frei:

Der Blauhut wohnt doch mir nur bei!

Kurz, obwohl Louisens verrufene Beschäftigung unter an-deren Umständen für Katharina ein Hindcrniß gewesen wäre,freiwillig ihre Gesellschaft zu iheilen, so fand sie in ihr doch,bei ihrem gezwungenen Beisammensein, eine bescheidene undgefällige Gefährtin.

Sie verlebten auf diese Weise vier oder fünf Tage, undum so viel als möglich das Angaffcn oder auch wohl die Un-arten der Diener zu vermeiden, bereiteten sie sich ihre Nah-rung auf ihrem Zimmer. Wenn es durchaus nöthig war, mitden Leuten zu verkehren, so übernahm Louise, die sich mehrzu Helsen wußte, aus Gewohnheit und um Katharinen zu ge-fallen, das Geschäft, vom Küchenmeister das Nöthige zu ihremkleinen Mahl zu holen und es mit der Geschicklichkeit ihrerHeimath zu bereiten.

Die Sängerin war in dieser Absicht am sechsten Tage einwenig vor Mittag weggegangen, und das Verlangen nachfrischer Luft, die Hoffnung etwas Salat oder Küchenkraut,oder doch einige zeitige Blumen zu finden, um damit ihrenTisch zu schmücken, hatte sie in den Schloßgarten gelockt- Sietrat wieder in'S Gemach, bleich wie Asche und gleich Espen-laub zitternd. Ihr Schrecken ging sogleich auf Katharinenüber, die kaum Worte fand, zu fragen, welch' neues Unglücksich ereignet habe.

Ist der Herzog von Rothsap todt?"

Schlimmer! Sie lassen ihn lebendig verhungern!"