Druckschrift 
14 (1851) Ivanhoe
Entstehung
Seite
107
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Allein er durste nicht einmal so weit reiten, denn unge-fähr eine Viertelstunde von dem Thor des Präceptoriums be-gegneten ihm zwei Reiter, die er an ihren hohen gelbenMühen und ihrer Kleidung sogleich für Juden erkannte. Alser noch näher kam, erkannte er den Einen für Jsaac vonJork. Der Andere war der Rabbiner Ben Samuel, undBeide hatten sich so nahe an das Präceptorium gewagt, weilsie gehört hatten, daß der Großmeister ein Kapitel wegen desProzesses gegen eine Zauberin zusammenberufen habe.

Der Rabbiner suchte Jsaac zu trösten und ihm seine schlim-men Ahnungen auszureden, als Higg dem Jsaac das Blatthinreichte. So wie Jsaac aber dasselbe anblickte, sank er vonseinem Maulthiere und lag da, wie ein Sterbender.

Der Rabbiner stieg sogleich von seinem Thiere und wollteschleunigst seine Kunst anwenden, als Jsaac sich von selbstwieder zu erholen begann. Doch jetzt riß er sich die Mützevom Kopfe und streute Staub aus sein graues Haar.

Kind meines Kummers!" ries er,wohl solltest Du Be-noni heißen, statt Rebecca. Warum muß Dein Tod meinegrauen Haare in die Grube bringen, bis ich in der Bitterkeitmeines Herzens Gott fluche und sterbe?"

Bruder," sagte der Rabbiner in großem Erstaunen,Dubist ein Vater in Israel und stoßest solche Worte aus? Ichglaube gewiß, das Kind Deines Hauses lebt noch."

Ja, ja, sie lebt," versetzte Jsaac,allein wie Daniel inder Löwenhöhle. Sie ist gefangen bei jenen Belialskindcrn,und sie werden ihrer nicht schonen. Ach, sie war ein Kranzvon grünen Palmen um mein graues Haupt! Und sie mußtenun verwelken in einer Nacht, gleich einem Kürbis des Jonas!Kind meiner Liebe! Kind meines Alters! O Rebecca, Rachcl'sTochter! Der dunkle Schatten des Todes hat Dich umhüllt!"