164
„Ungläubiger Hakim," sagte der Großmeister, „oder wieman dich beißen mag als einen ungctauftcn Sclavcn der Finster-niß, weißt du auch, daß du von wilden Pferden zerrissen werdensollst, wenn König Richard unter deiner Behandlung stirbt?"
„Das wäre -arte Gerechtigkeit," antwortete der Arzt;„denn ich kann nur menschliche Mittel aufbieten, und der Er-folg steht geschrieben im Buche des Lichts "
„Nein, ehrwürdiger und tapferer Großmeister," sagte derMarquis von Montserrat, „erwäget, daß dieser gelehrte Mannmit unserem Beschluß, der in der Furcht Gottes und zur Sicher-heit seines Gesalbten gefaßt worden ist, nicht vertraut sein kann.Wisse, würdigcrArzt, an dessen Geschicklichkeit wir nicht zweifeln,LaS Beste, was du thun kannst, ist, vor dem erlauchten Rath un-seres heiligen Bundes zu erscheinen, und daselbst den weisen undgelehrten Aerzten, die man ernenne» wird, Auskunft zu gebenüber die Mittel, die du anwenden willst zur Heilung dieseserlauchten Kranken; so wirst du aller Gefahr entgehen, in diedu leicht gerathen könntest, wenn du unüberlegt in so wichti-ger Sache unter eigener Verantwortlichkeit handeltest."
„Ihr Herren," sagte el Hakim, „ich verstehe Euch wohl.Aber die Wissenschaft hat ihre Helden, so gut wie Euer Rit-terstand, ja zu Zeilen hat sie ihre Märtyrer, so gut wie dieReligion. Ich habe von meinem Herrscher, dem Sultan Sa-ladin, den Befehl, diesen nazarenischen König zu heilen, undmit dem Segen des Propheten will ich diesem Befehle gehor-chen. Gelingt mir's nicht, Ihr tragt Schwerter, die nach demBlute der Gläubigen dürsten, und ich biete meinen Leib EurenWaffen an. Aber ich will mit keinem Unbeschnittenen über dieKraft der Heilmittel rechten, die mir durch die Gnade desPropheten bekannt sind, und ich bitte Euch, mir keinen Auf-schub zur Vollziehung meiner Pflicht zu bereiten."